Coaching in Zahlen

29. Januar 2019

mann

Geht man von der Popularität und Verbreitung des Begriffs aus, könnte man glauben, dass Coaching in Deutschland bereits zu einer Standard-Dienstleistung für Menschen aller Berufe und Hierarchieebenen geworden ist. Stimmt dieser Eindruck? Welchen Stellenwert nimmt Coaching inzwischen im Gesamtportfolio des Beratermarkts ein? Wie entwickeln sich Coaching-Markt und -Preise? Welche Trends zeichnen sich ab?

Tatsächlich ist der deutsche Coaching-Markt nach dem US-amerikanischen und britischen der drittgrößte Markt für Coaching-Dienstleistungen weltweit. Als Instrument der Personalentwicklung hat sich Coaching in Deutschland hierarchieübergreifend fest etabliert. Der Schwerpunkt im Business Coaching liegt jedoch nach wie vor beim gehobenen und mittleren Management. Allerdings zeichnet sich ab, dass Coaching zunehmend von öffentlichen Einrichtungen sowie kleinen und mittelständischen Unternehmen angefragt wird, die über 80 Prozent der deutsche Arbeitsplätze bieten. Zudem gibt es Indizien dafür, dass sich der Privatkundenmarkt ausweitet.

Von einem weiteren Wachstum ist daher derzeit auszugehen. Zumal der Marktanteil von Coaching, gemessen am Gesamtvolumen des deutschen Beratermarkts im Umfang von 31,5 Mrd. Euro im Jahr 2018 (Facts & Figures zum Beratermarkt 2018 vom Bundesverband Deutscher Unternehmensberater BDU e.V.), nach wie vor noch ausbaufähig ist. Da keine aktuellen Zahlen vorliegen, sei hier zum Vergleich der Coaching-Umsatz aus dem Jahre 2013 im Umfang von etwa 450 Mio. Euro genannt (Quelle: 3. Marburger Coaching-Studie 2013, Philipps-Universität Marburg).

Der deutsche Coaching-Markt ist geprägt durch Einzelanbieter, die mehrheitlich freiberuflich tätig sind. Allerdings leben weniger als 10 Prozent der Coachs nur von  Coaching. Coaching ist ein Zusatzgeschäft. Denn ein Coach begleitete 2017 im Mittel nicht mehr als 24 Coaching-Prozesse im Umfang von 12,3 Stunden (Quelle: Coaching-Umfrage, Jörg Middendorf). Durchschnittlich erwirtschaftete er im Geschäftskundenbereich pro Stunde 181,67 Euro, im Privatkundenbereich durchschnittlich 126,30 Euro. Am wenigsten rechnen nebenberufliche Coachs ab, am meisten institutionelle Anbieter. Die Honorarhöhe hängt aber auch von der Erfahrung und vom Alter des Coachs ab. Auch die Spezialisierung auf die Zielgruppe Executives zahlt sich, wie viele Untersuchungen bestätigen, finanziell aus.

Die hohen menschlichen Anforderungen des schnellen Wandels in Wirtschaft und Lebenswelt sind in wachsendem Maße ein Motor für die Inanspruchnahme der Dienstleistung Coaching. Hinzu kommt, dass immer mehr Unternehmen inzwischen Coaching nicht mehr aus einer defizit-, sondern lösungsorientierte Perspektive betrachten und es zunehmend proaktiv einsetzen. Beispielsweise sind in agilen Unternehmen und Unternehmens-Einheiten Teams auf die Begleitung eines in- oder externen Coachs als Teil der Methode angewiesen.

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