Archive for the 'Coach & Coaching-Methoden' Category

Neurotraining für die Psyche

24. Mai 2022

Die Botschaft, dass Körper, Emotionen und Geist Teile desselben Systems darstellen, hat keinen Neuigkeitswert mehr. Schon seit zwei Jahrzehnten werden die Wechselwirkungen zwischen Körper und Geist, vermittelt über unser Gehirn, intensiv erforscht. Doch in jüngster Zeit hat sich durch diese Entwicklung auch der therapeutische Fokus verschoben. Bislang als psychisch kategorisierte Probleme werden inzwischen immer häufiger auch aus neuronaler Perspektive betrachtet und auf neuen körperorientierten Wegen behandelt.

Ein Beispiel für diesen Trend liefert das von den Sporttrainern Lars Lienhard und Ulla Schmid-Fetzer verfasste Buch zur Neuronalen Heilung. Darin beschäftigen sie sich mit den Funktionen der Inselrinde, die für die innere Wahrnehmung zuständig ist. Mit einfachen und größtenteil bereits bekannten, aber in ihrer Wirkung durchaus verkannten Körperübungen zielen sie darauf, die Balance zwischen den zwei zentralen Kräften unseres vegetativen Nervensystems, dem Sympathicus und dem Parasympathicus, zu erhalten bzw. wiederherzustellen. Dazu ist es wichtig, dass die Inselrinde Informationen aus der Umwelt, dem Körperinneren, dem Fühlen sowie der Bewegung bestmöglich integriert.

Der hintere Teil der Inselrinde beurteilt vor allem die über den Vagusnerv eingehenden Informationen, Gefühlsintensitäten und sowie Gleichgewichtssignale. Der mittlere Teil prozessiert Geruch, Geschmack, akustische Signale sowie weitere Aspekte des Gleichgewichts. Im vorderen Teil geht es um die bewusste Wahrnehmung und die kognitive Beurteilung der Informationen. Die Inselrinde steht wiederum in enger Verbindung mit dem Frontallappen, der es ermöglicht, auf Impulse angemessen zu reagieren.

Das Training des Vagusnervs, Gleichgewichts- und Geruchs- sowie Geschmacksübungen, kombiniert mit Augenübungen, akustischen Übungen und Atemübungen, regulieren innere Vorgänge wie Emotionen und zum Beispiel Essverhalten. Sie bereiten außerdem den Boden für die Fähigkeit, das sozial-emotionale Zentrum im vorderen Bereich der Inselrinde gut zu steuern. Hinweise auf eine Dysbalance in diesem Bereich können Stress, Phobien, Panikattacken und depressive Stimmungen sein.

Mit dem Wissen um körperorientierte Methoden eröffnen sich neue Selbsthilfemöglichkeiten für Menschen, die ihr Körpergefühl verbessern, Stress reduzieren, Emotionen regulieren und ihre Aufmerksamkeit für Aufgaben schärfen wollen. Den Wirksamkeitsnachweis des beschriebenen Trainings insbesondere für die psychischen Anwendungen können natürlich nur entsprechende Studien erbringen. Dass sich neuronales Training messbar positiv auf die körperliche Leistungsfähigkeit auswirkt, haben die Autoren als Trainer im Spitzensport jedenfalls bereits bewiesen.

Ethik im Coaching

27. April 2022

Coaching ist eine besonders verantwortungsvolle Tätigkeit. Denn schließlich schenken die Klienten dem Coach ein hohes Maß an Vertrauen. Sie „vertrauen sich an“ und teilen mit ihm ihr ganz persönliches Erleben und die damit verbundenen Emotionen. Das ethische Verhalten des Coachs ist daher der Dreh- und Angelpunkt für die Qualität der Beziehung, die Coach und Klient miteinander aufbauen.

Coaching macht es sich per definitionem zur Aufgabe, nicht die eigenen Ziele, sondern die Ziele des Klienten in den Mittelpunkt zu stellen. Es setzt aus diesem Grund immer die professionelle Rollenklarheit des Coachs voraus. Auch beim Coaching von Freunden oder Bekannten verfügt ein geschulter Coach über die Kompetenz, die persönliche von der professionellen Ebene klar zu trennen.

Der Coach verantwortet zwar nicht die vom Klienten gefundenen Lösungen, zum Beispiel eine Trennung vom Arbeitgeber. Doch er ist verantwortlich für die Beziehungsqualität zum Klienten und für Qualität des Coaching-Prozesses. Zu seinen Aufgaben gehört es außerdem, seine berufsbezogenen Kompetenzen weiterzuentwickeln und die Grenzen seiner Kompetenzen in einem Coaching klar zu erkennen. Wenn sich beispielsweise Themen im Verlaufe des Coachings als therapiebedürftig darstellen, gehört die Verweisung an Experten zur Kompetenzausübung des Coachs.

Zum Coaching gehört neben der Verschwiegenheit auch eine durchgehende Wertschätzung für die Haltung und das Verhalten des Klienten. Ohne die Fähigkeit, allen (in-)direkt Beteiligten gegenüber Neutralität zu bewahren, wird der Coach seiner Aufgabe nicht gerecht. Denn zum Coaching gehört die systemische Überzeugung, dass allem Verhalten eine positive Absicht innewohnt und insofern jedem der gebührende Respekt zu zollen ist.

Die systemische Grundhaltung des Coachs führt zu einem ökologischen Denken, das die Komplexität der Wechselwirkungen in Systemen im Blick hat. Aus dieser Sicht sind Klienten-Lösungen nur dann langfristig tragfähig, wenn sie der inneren sowie äußeren Ökologie des Klienten entsprechen und ihn auf längere Sicht weniger kosten als das alte Verhaltensprogramm. Gute Coaching-Lösungen orientieren sich nicht am schnellen, sondern immer am nachhaltigen Erfolg.

Der inflationäre Gebrauch des Begriffs Coach in den Medien und in der Wirtschaft legt nahe, dass jeder jederzeit über Coaching-Kompetenzen verfügen kann. Doch es liegt auf der Hand, dass die genannten Coach-Fähigkeiten einer gezielten Schulung bedürfen. Coaching ist ein Berufsbild, bei dem methodische Qualitäten und die Bereitschaft zur Persönlichkeitsentwicklung sowie ethisch ausgerichtetem Handeln untrennbar miteinander verknüpft sind.

Traumatisierungen erkennen

28. Januar 2022

Ja, genau: Die Behandlung tiefgreifender Traumatisierungen gehört in die Hände von Therapeuten, und nicht in die von Coachs. Doch das Buch der Traumatherapeutin Verena König sollte Eingang in den einen oder anderen Coach-Bücherschrank finden. Denn in großer Anschaulichkeit Verena König das menschliche Nervensystem dar und zeigt einfühlsam, welche Folgen sowohl aus Schocktraumata als auch aus Entwicklungstraumata resultieren.

Irritierend ist nur der Titel: „Bin ich traumatisiert?“ Denn er suggeriert, eine Art Leitfaden zur Selbstdiagnose von Traumata vorzufinden. Es steht in Frage, ob ein Buch Antwort darauf gehen kann. Wenn es sich bei Traumafolgen der Definition Königs nach um Symptome handelt, die in ihrem Ursprung normale Reaktionen des Nervensystems auf als unnormal erlebte Geschehnisse sind, dann gehören in gewisser Weise Traumata unterschiedlichen Grades zu unser aller Leben dazu.

Aber genau dieser Umstand macht das Buch spannend für den Coach. Verena König schildert die Arbeitsweise des Nervensystems und dessen Umgang mit Stress, reguliert durch das vegetative Nervensystem. Eine Übererregung aktiviert den Sympathikusnerv und bringt Kampf oder Flucht sowie eine Daueralarmiertheit hervor. Eine Untererregung wirkt auf den Vagusnerv und führt zu Immobilität und emotionaler Taubheit sowie Dissoziiertheit.

Diese Dissoziiertheit ist ein Zustand, in dem sich die Wahrnehmung in Erinnerungselemente aufspaltet und dadurch das Verarbeiten des Erlebten verhindert. Was aber nicht verarbeitet werden kann, wirkt als Trigger weiter und flutet das Bewusstsein der Betroffenen, ohne dass sie durch den Einsatz des Verstandes dagegen angehen können. Denn mit Hilfe des Modells vom dreieinigen Gehirn mit Stammhirn, Limbischem System und Neocortex zeigt König, wieso die Fähigkeit zum komplexes Denken bei traumatischen Symptomen nicht greift.

In einer solchen Situation können selbstverständlich kognitiv orientierte Methoden wenig ausrichten. Vielmehr ist es wichtig, beim Limbischen System anzusetzen und Traumaenergien Schritt für Schritt aufzulösen. König nennt als Beispiele für solche Methoden EMDR (den Coachs aus der Methodenkombi wingwave bekannt), Hynotherapie, Somatic Experiencing sowie weitere vor allem körperorientierte Verfahren. Auch Yoga zählt zu den bewährten Therapien.

Das Buch unterstützt Coachs dabei, die vielgestaltigen Stress-Reaktionen und Alltagstraumatisierungen ihrer Klienten besser einordnen zu können und die passenden Methoden zur Stressbalance auszuwählen. Es spiegelt aber auch sehr deutlich, dass tiefgreifende Traumata in die Verantwortung von dazu ausgebildeten Spezialisten gehören.

Fragenreich ins neue Jahr starten

14. Dezember 2021

Zur Jahreswende steht nicht nur der Kalenderwechsel, sondern oft auch die Suche nach Anregungen für einen mentalen Erneuerungsprozess an. Wer das sprachliche Methodenrepertoire des Coachs kennenlernen möchte und eine Anleitung zum Selbstcoaching sucht, findet in Michael Curse Kurths 199 Fragen an Dich selbst einen guten Partner für diesen Prozess.

Der Titel verdeutlicht, dass es bei Kurths Buch um Eigenarbeit und Selbstendeckung geht. Der Autor, Rapper und zugleich Yogalehrer sowie systemischer Coach, beschränkt sich auf Einführungen sowie Erläuterungen zur guten Fragequalität. Fast nebenbei erlernt der Leser wichtige Aspekte des gezielten Spracheinsatzes beim Coaching.

In den Workshop-Parts dieses Selbstentwicklungsbuchs ist dagegen wortwörtlich allein der Leser gefragt: Entdeckungsfragen zu Zielklarheit und innerer Freiheit, zum Prozess des Annehmens, Verzeihens und Loslassens, zur Definition der eigenen Stärken sowie zum Erkunden des Berufsleben und des privaten Umfelds führen die Leserin in einen Dialog mit sich selbst.

Guten Fragen misst unsere Kultur seit Sokrates einen hohen Stellenwert zu. Doch erst das Coaching hat gute Fragetechniken systematisiert und methodisch vermittelbar gemacht. Kurths 199 Fragen tragen sicherlich zu einer weiteren Verankerung dieser Techniken in unserem Lebensalltag bei.

Wechselwirkung zwischen Theorie und Praxis

10. November 2021

Wenige Ansätze sind theoretisch so umfassend und im Erleben zugleich so konkret und „spürbar“ wie die Theory U von Otto Scharmer. Wer die Theory U kreativ nutzen und sie als Moderations- oder Coachingleitfaden in den unterschiedlichsten Kontexten einsetzen möchte, profitiert von Claudia Andriofs Praxisbuch für wirksame Veränderung, das den Weg durch das U mit vielen praktischen Beispielen illustriert und unterschiedlichste Techniken aufzeigt, um die einzelnen Etappen des U zu durchlaufen.

Andriof schafft Verständnis für systemische Komplexität und klärt den Unterschied zwischen rationalen und emotionalen Denkstilen sowie Vorgehensweisen. Sie vermittelt plastisch, dass Verändern mit der Theory U immer auch mit einer inneren Transformation verbunden ist, die in einem Loslassen bzw. Verabschieden von Altem mündet. Der U-Weg wird von ihr Schritt für Schritt erläutert und mit anderen gängigen Methoden vernetzt. So wird der umfassende Charakter des U-Wegs deutlich, ohne dass seine emotionale Tiefe verlorengeht.

Praktiker aus Coaching, Moderation und Training können sich an Tabellen, Übersichten und vielen Beispielen aus der Praxis orientieren, um ihr Methodenportfolio neu mit der Theory U zu vernetzen und eigene orginelle Wege durch das U zu planen. So befruchten sich die Theory U und einzelne Techniken gegenseitig, wobei viele der erwähnten Methoden durch den Einsatz in diesem theoretischen Rahmen eine neue Tiefe erfahren.

Denn die Theory U formuliert einen ungewohnten Anspruch an Veränderungsprozesse. Nachhaltiger Wandel, ob bei Einzelnen oder Teams, ist aus Otto Scharmers Sicht immer eine Transformation, die Menschen sowohl mit dem Herz als auch dem Verstand ganz erfasst. Diese Art von Wandel verändert nicht nur, sondern eröffnet eine neue Perspektivenbreite, worauf schließlich das U symbolisch verweist.

Online-Coaching-Qualität erzeugen

15. Oktober 2021

Online-Coaching gibt es schon viele Jahre. Doch ein breites Interesse an Online-Coaching-Methoden hat erst die Corona-Pandemie gebracht. Denn viele Coachs konnten sich bis zu diesem Punkt nicht vorstellen, mit den reduzierten Möglichkeiten des Bildschirms optimal auf Klientenanliegen einzugehen. Vor allem die eingeschränkte körpersprachliche Wahrnehmung erschien ihnen als relevantes Hindernis. Das frisch auf den Markt gekommene Praxisbuch Online-Coaching von Cora Besser-Siegmund et. al. stellt daher den sogenannte Humanonline-Faktor in den Mittelpunkt.

„Humanonline“ im Sinne der Autoren bedeutet, Klienten über körpersprachliche Inputs und Signale so zu mobilisieren, dass sie Verbindungen mit ihren Neuroressourcen herstellen können. Ohne diese Mobilisierung findet zwar auch ein Austausch von Worten und Ideen zwischen Klient und Coach statt. Der neurologische Aktivierungsgrad diese Kommunikation und die damit verbundene Langzeitaktivierung ist jedoch gering. Die Autoren empfehlen Online-Coachs vor allem, Bewegung in das Online-Coaching einzubauen sowie die von ihnen beschriebenen Open Mind Helper einzusetzen.

Open Mind Helper sind zum einen die bewussten Augenbewegungen, wie sie im wingwave-Coaching genutzt werden. Zum anderen gehören zum Beispiel Klopfübungen wie die Vagus-Stimulation mittels eines leichten Beklopfens des Brustbeins dazu. Bei allen Aktivitäten sollte die Kamera so eingestellt sein, dass die Kopf-, Schulter- und Armbewegungen des Klienten gut zu sehen sind. Es bewährt sich außerdem beim Online-Coaching, den Handlungsrahmen über den Bildschirmrand hinaus bewusst zu erweitern. Wenn Coachs zum Beispiel bewusste Augenbewegungen zur Ressourcenförderung einsetzen, dann helfen Klebepunkte im Raum des Klienten, das Blickfeld weiträumig zu öffnen.

Aber auch die Wahl der Sprache entscheidet mit darüber, ob Klienten am Bildschirm optimal involviert werden können. Wird Sprache gezielt eingesetzt, lassen sich online die gleichen Effekte erzielen wie in Präsenz. Das gilt für das Erzeugen von Trance bzw. das Durchführen von Hypnosen. Das gilt ebenso für alle Fragemethoden sowie Reframings und die Nutzung von Ankerwörter und anderen Buzzwords zur Aktivierung.

In die Sprache des erfahrenden NLP-Coachs übersetzt, bietet das Praxisbuch Online-Coaching allerdings nicht allzu viel Neues. Denn selbstverständlich ist „humanonline“ nur eine neue Umschreibung für Pacing und Rapport. Und auch viele Ideen speisen sich aus dem aus der analogen Arbeit bekannten Dienstleistungsspektrum der Autoren. Doch wer sich für die neurobiologischen Hintergründe von Coaching-Techniken interessiert, finde in diesem Buch viele aktuelle Anregungen.

Coaching in Corona-Zeiten

8. September 2021

Die Rauen Coaching-Marktanalyse 2021 untersucht auf der Basis von 351 befragten Coachs die Veränderungen, die sich im vergangenen Jahr nicht zuletzt durch die besonderen Umstände der Pandemie ergeben haben. Die wesentlichste Verschiebung ist bei den Coaching-Formaten zu verzeichnen: Fanden 2019/20 nur 7,7 % aller Coachings im Videokonferenz-Format statt, sind es nun 37,11 %. Dazu passt, dass im Mittelpunkt von 41 % aller Fortbildungen der Coachs das Thema virtuelle Beratung stand.

Und wie hat sich die wirtschaftliche Situation der Coachs unter Pandemiebedingungen entwickelt? Hier gibt es keine einheitliche Aussage. Besonders erfahrene Coachs mit über 15 Jahren Berufspraxis haben eher Einbußen zu verzeichnen, sowohl im Volumen als auch im durchschnittlichen Preis für eine Coaching-Stunde. Coachs mit weniger Erfahrung konnten sich, so die Vermutung, schneller an die Situation anpassen und den Coaching-Anteil an ihrem (allerdings gesunkenen) Einkommen steigern. Auch der durchschnittliche Preis für eine Coaching-Stunde erhöhte sich bei ihnen.

Am besten bewältigt haben die Krise Solo-Selbstständige mit eigenen Mitarbeitern, während Solo-Selbstständige ohne Mitarbeiter deutliche Einbußen hinnehmen mussten. Interessanterweise trägt die Mitgliedschaft in einem Verband zur wirtschaftlichen Stabilität bei. Im Verband organisierte Coachs schneiden gerade beim Coaching-Anteil des Einkommens besser ab als die Coachs ohne eine Verbandmitgliedschaft. Wirtschaftlich weitgehend stabil war die Lage der internen Coachs, deren Anteil sich aber nur auf 2,85 % des Coaching-Markts beschränkt. Bezogen auf die Geschlechter stellt die Studie übrigens bei den Einkommenseinbußen keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen fest.

Viele weitere Zahlen bleiben fast unverändert: Coachs sind mehrheitlich weiblich (62,68 %), zu 85,19 % akademisch gebildet und im Durchschnitt etwa 53 Jahre alt. Die Studienteilnehmer verfügen im Mittel über fast dreizehn Jahre Erfahrung als Coachs und insgesamt das Doppelte an Berufsjahren. Auffällig ist, dass Coachs im Durchschnitt über 13,92 Jahre Erfahrung als Führungskraft sammeln konnten. Dieser Führungsbackground scheint ein wichtiges Plus für die Fähigkeit, sich am Coaching-Markt zu bewähren.

Die Studie hat auch untersucht, wie Coachs für ihr Angebot werben. Nach wie vor ist die Weiterempfehlung der wichtigster Faktor für den Erfolg (15,19 %), gefolgt von der Spezialisierung (7,94 %) und dem persönlichen Kontakt vor einem Coaching (7,69 %). Coachs nutzen neben Aktivitäten wie Vorträgen, Lehraufträgen, Publishing-Aktvitäten und Datenbankeinträgen vor allem Marketing-Instrumente wie die Warmakquise bei Bestandskunden, die eigene Homepage und Social Media-Aktivitäten. Am erfolgreichsten ist offensichtlich die Warmakquise, direkt gefolgt von Aktivitäten auf der Plattform LinkedIn.

Kollektive Muster erkennen

30. April 2021

NLP-Methoden helfen, die für die eigene Persönlichkeit nicht zielführenden Muster zu transformieren. Weil Denk- und Handlungsmuster sowie die damit verbundenen Gefühle aber nicht nur über eine biographische, sondern auch eine kollektiv-gesellschaftliche Dimension verfügen, bleiben einige Themen lange verdeckt. Das Buch Kriegsenkel von Sabine Bode, bereits 2009 erschienen, liefert denjenigen einen Schlüssel zum eigenen Selbstverständnis, die in den sechziger und siebziger Jahren in Deutschland aufgewachsen sind.

Wir alle kennen das Phänomen, dass aus Schuld, Selbstschutz, Scham und Überforderung Erlebnisse und Themen sowie die damit verbundenen Emotionen beiseite gelegt werden. So sind die Kriegskinder in Deutschland mit lautem Schweigen und einem hohen Anspruch an Disziplin und Leistung herangezogen worden. Weder konnten oder wollten die Eltern ihre Erlebnisse emotional beleuchten, noch gab es Raum für Verarbeitung der frühen Leiden der Kinder im Zuge des Kriegsgeschehens oder der Flucht. Der Blick in die Vergangenheit galt als Tabu.

Was aber bedeuten diese Muster für die Nachgeborenen, die Generation der Kriegsenkel, erzogen von Kriegskinder? Aus eigener Erfahrung kenne ich das Phänomen der Doppelbotschaften: Einerseits die kollektive Parole „früher war gestern – heute ist alles anders“. Andererseits das diffuse Gefühl, öfter mal auf dünnem Eis zu wandern. Einerseits große Offenheit für Veränderungen und das Signal, in einer Zeit der unendlichen Möglichkeiten zu leben. Andererseits das Gefühl auch existentieller Unsicherheit, das immer wieder zu Vorsicht mahnt. Auf der einen Seite Lebensfreude und Tatendrang, auf der anderen emotionaler Rückzug und Depression.

Ein zentrales Muster der sechziger und siebziger Jahr war offenbar, in NLP-Sprache ausgedrückt, Polarität, die Koexistenz von Gegensätzen, verkörpert in einer Person, einer Familie und in einer Generation. Doch diese Polarität stellte sich mangels kollektiver Diskurse für die Kriegsenkel als individuelles Dilemma und manchmal auch Versagen dar. Wie assoziiert und unbeschwert in der eigenen Zeit leben und sie genießen, wenn die (Groß-)Eltern das Gespräch über ihre eigene Zeit scheuen? Wie eigene Zukunft kreativ und mutig gestalten, wenn die Umwelt zum Teil in ritualisiertem und sicherheitsorientieren Handeln erstarrt? Wie Lebendigkeit leben mit Menschen, denen manchmal genau diese Lebendigkeit fehlt?

Sowohl mit NLP-Methoden einschließlich der Methode Aufstellungen als auch mit weiteren systemischen Herangehensweisen wird schon seit mehreren Jahrzehnten das Bearbeiten und Verstehen der eigenen Familiengeschichte erfolgreich begleitet. Bodes kollektiver Ansatz stellt darüber hinaus eine wirkungsvolle Reflexionshilfe und Anregung für diejenigen dar, die trotz biographischer Klärungsarbeit als Erwachsene ein diffuses Gefühl mit sich herumtragen, das sie nicht so recht verstehen können. Das Buch liefert viele Anhaltspunkte dafür, wie die eigene Lebensgeschichte im Rahmen des Zeitgeschehens noch einmal neu erzählt werden kann.

Neue Coaching-Markt-Studie

17. März 2021

Im Herbst 2020 hat die Machwürth Team International GmbH eine Studie zur Bedeutung und Organisation des Business Coaching in der Personalentwicklung durchgeführt. Anlass war, so der Firmeninhaber Hans-Peter Machwürth, der starke Anstieg der Coachinganfragen in vielen Unternehmen. Coaching gehört inzwischen zu den Basisinstrumenten der Personalentwicklung, wie die Studie bestätigen konnte.

Die Befragung unter 492 Mitarbeitern in Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten ergab, dass 62 Prozent der Coaching-Entscheider die Methode für bereits fest verankert in der Personalentwicklung halten. Potenzielle Coaching-Klienten im Unternehmen sind jedoch nicht im gleichen Maße von diesem hohen Stellenwert überzeugt. Nach wie vor überwiegt in Firmen das Interesse an Einzelcoachings. Für Teamcoaching interessieren sich 47 Prozent der Entscheider, aber nur 33 Prozent der potenziellen Klienten, auch wenn viele Befragte in der Zukunft einen wachsenden Bedarf erkennen.

Die Hauptzielgruppe für Business Coachings sind mittlere Führungskräfte, gefolgt von operativen Führungskräften und Mitgliedern der Geschäftsführung. Mitarbeiter ohne Führungsverantwortung werden nach wie vor nur in einem sehr geringen Umfang gecoacht. Coachings sind oft Folgemaßnahmen eines Feedback- oder Zielvereinbarungsgesprächs mit Mitarbeitern. Sie werden daher vor allem als individuelle Maßnahmen wahrgenommen.

Das Themenranking im Coaching führt aus Entscheidersicht das Thema Mitarbeiterführung und Mitarbeitersteuerung an, gefolgt vom Konfliktmanagement. Aus Sicht der potenziellen Coachees bedeutsamer ist dagegen das Thema Stressresilienz. Themen wie Gesundheitscoaching, Coaching im Kontext interkulturelle Kompetenzen sowie das Projektmanagement spielen untergeordnete Rollen.

Vor Corona war Coaching vor allem ein Präsenzangebot. Weder Coaching-Plattformen noch Telefon- oder Onlinecoaching nahmen in den Unternehmen einen besonderen Stellenwert ein. Eine schnelle Änderung zeichnet sich jedoch derzeit durch die besondere Konstellation der Homeoffice-Tätigkeit ab. Mit einer Verzahnung der verschiedenen Coaching-Modi ist wohl in den kommenden Jahren zu rechnen.

Wie finden Unternehmen die benötigten Coachs und welche Kriterien sind für die Auswahl wichtig? Zumeist erfolgt der Vorschlag eines bestimmten Coachs durch Personalentwickler, die dabei auf einen internen Coaching-Pool oder auf Empfehlungen aus dem eigenen Netzwerk zurückgreifen. Bevorzugt werden Coachs mit langjähriger Berufserfahrung gewählt. Dabei spielen Referenzen, persönliche Empfehlungen und der Nachweis einer Coaching-Ausbildung ebenfalls eine Rolle. Von geringerer Bedeutung ist die Frage, ob der Coach von Haus aus Psychologe ist oder über eine Zertifizierung verfügt.

Die Autoren der Studie gehen davon aus, dass Coaching gerade auf einen Funktionswandel zusteuert. Der individuelle Charakter des Coachings wird sich wandeln zu einer Maßnahme der Team- und Organisationsentwicklung. Im Zuge der agilen Bewegung wird sich der Fokus verlagern auf Projektarbeit, Prozessmanagement und Kulturveränderung in Organisationen.

Storytelling als Selbstcoaching-Methode

26. Februar 2021

„Erzähl Dein Leben neu“, heißt Rebecca Vogels Appell in ihrem Buch zum Personal Storytelling. Storytelling ermöglicht nicht nur, den eigenen Lebensweg in attraktiver Verpackung an andere zu kommunizieren. Das bewusste Erzählen der eigenen Geschichte, so Rebecca Vogels, ist auch ein innerlicher Prozess, der „… dir zeigt, wer Du wirklich bist.“ Denn oft leben wir unsere Geschichte so selbstverständlich und kaum hinterfragt, dass wir sie für die Realität an sich halten.

Rebecca Vogels lädt dazu ein, den Wahrheitsgehalt der eigenen Geschichte auf die Probe zu stellen: Welche Perspektive nehme ich ein, wenn ich auf mein Leben schaue? Bin ich ein Verlierer oder ein geborenes Sonntagkind? Wie heißt der rote Faden, der sich durch meinen Werdegang zieht? Erkenne ich Alternativen zu den bisherigen Blickwinkeln auf mein Leben?

Hilfreich ist auch der Blick auf die einzelnen Kapitel der eigenen Geschichte: Welche nehmen viel Raum ein? Welche würde ich gerne umschreiben? Diese Fragen bringen nicht selten auch einen klareren Blick auf die zukünftigen Kapitel im Leben hervor, die wir unbedingt noch schreiben wollen.

Mit einer frischen Perspektive auf den eigenen Lebensweg wird schnell deutlich, welche Motivatoren die eigene Persönlichkeit vorantreiben und welche Visionen unbedingt gelebt werden wollen. Zwar lösen sich nicht unmittelbar alle alten Zweifel auf. Doch im Verlaufe des Storytelling-Prozesses wird so mancher alter Glaubenssatz in Frage gestellt und durch produktivere Gedankengänge ersetzt.

Vogels Ideen und Anregungen zum Personal Storytelling sind praktisch und lebensnah. Ihre eigene Geschichte überfrachtet sie allerdings, indem sie sie zum roten Faden durch die Methode des Geschichtenerzählens einsetzt. Weniger Worte und Wiederholungen hätten dem Buch gut getan.

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