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Form folgt Bewusstsein

4. Dezember 2019

„Form folgt Bewusstsein“, so ein zentraler Gedanke der bereits 1996 vorgestellten Theorie U von C. Otto Scharmer. Mit den Essentials der Theorie U stellt er nun die Grundprinzipien und Anwendungen seiner Theorie in kompakter Form dar. Seine These: „Die Qualität von Ergebnissen, die ein soziales System erzielt, hängt von dem Bewusstsein ab, auf dessen Basis die Menschen in diesem System handeln.“

Ist das nicht eigentlich eine Selbstverständlichkeit? Heißt es nicht auch in der agilen Bewegung, dass Haltung und das damit verbundene Bewusstsein vor Methoden geht? Die öffentlichen Diskurse rund um die Bewegung zeigen zumeist das Gegenteil. Immer wieder werden Tools eingesetzt in der Hoffnung, dass das Bewusstsein folgt.

Der Gedanke, Führung konsequent auf Bewusstsein aufzubauen und die Methode daran anzupassen, ist also tatsächlich neu und ungewöhnlich konsequent. Die Theorie U beschreibt einen Weg, der durch achtsame Dialoge zu einer tiefen Erneuerung der Denkweisen, Gefühle und Willensbildungsprozesse führt. Im Mittelpunkt steht das Presencing, ein achtsames Einlassen, das zu kreativen Einsichten und der Entwicklung zukunftsweisender Lösungen führt.

Das wirklich bahnbrechende der Theorie U ist der Mut, nicht nur, wie üblich, das persönliche Bewusstsein und die damit verbundenen Sichtweisen und Gefühle in den Blick zu nehmen. Otto Scharmer fordert Menschen dazu auf, sich in kollektiven privaten wie beruflichen Kontexten konsequent als ganze Menschen mit Körper, Seele und Geist zu begegnen. Aus dieser Sicht gehört es zur wichtigsten Aufgaben von Führung, Räume für genau diese Begegnungen zu schaffen und die Öffnung von Körper, Seele und Geist in der eigenen Haltung vorzuleben.

Der Nutzen der Theorie U? Sie schafft Bewusstheit über etwas, was wir insgeheim wissen, aber über die achtlose und oberflächliche Anwendung von Tools und Methoden vergessen haben. Darüber hinaus stellt sie uns eine neue Sprache zur Verfügung, die dieses verschüttete Wissen durch Begriffe wieder griffig macht.

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