Posts Tagged ‘Coaching-Markt’

Coaching in Corona-Zeiten

8. September 2021

Die Rauen Coaching-Marktanalyse 2021 untersucht auf der Basis von 351 befragten Coachs die Veränderungen, die sich im vergangenen Jahr nicht zuletzt durch die besonderen Umstände der Pandemie ergeben haben. Die wesentlichste Verschiebung ist bei den Coaching-Formaten zu verzeichnen: Fanden 2019/20 nur 7,7 % aller Coachings im Videokonferenz-Format statt, sind es nun 37,11 %. Dazu passt, dass im Mittelpunkt von 41 % aller Fortbildungen der Coachs das Thema virtuelle Beratung stand.

Und wie hat sich die wirtschaftliche Situation der Coachs unter Pandemiebedingungen entwickelt? Hier gibt es keine einheitliche Aussage. Besonders erfahrene Coachs mit über 15 Jahren Berufspraxis haben eher Einbußen zu verzeichnen, sowohl im Volumen als auch im durchschnittlichen Preis für eine Coaching-Stunde. Coachs mit weniger Erfahrung konnten sich, so die Vermutung, schneller an die Situation anpassen und den Coaching-Anteil an ihrem (allerdings gesunkenen) Einkommen steigern. Auch der durchschnittliche Preis für eine Coaching-Stunde erhöhte sich bei ihnen.

Am besten bewältigt haben die Krise Solo-Selbstständige mit eigenen Mitarbeitern, während Solo-Selbstständige ohne Mitarbeiter deutliche Einbußen hinnehmen mussten. Interessanterweise trägt die Mitgliedschaft in einem Verband zur wirtschaftlichen Stabilität bei. Im Verband organisierte Coachs schneiden gerade beim Coaching-Anteil des Einkommens besser ab als die Coachs ohne eine Verbandmitgliedschaft. Wirtschaftlich weitgehend stabil war die Lage der internen Coachs, deren Anteil sich aber nur auf 2,85 % des Coaching-Markts beschränkt. Bezogen auf die Geschlechter stellt die Studie übrigens bei den Einkommenseinbußen keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen fest.

Viele weitere Zahlen bleiben fast unverändert: Coachs sind mehrheitlich weiblich (62,68 %), zu 85,19 % akademisch gebildet und im Durchschnitt etwa 53 Jahre alt. Die Studienteilnehmer verfügen im Mittel über fast dreizehn Jahre Erfahrung als Coachs und insgesamt das Doppelte an Berufsjahren. Auffällig ist, dass Coachs im Durchschnitt über 13,92 Jahre Erfahrung als Führungskraft sammeln konnten. Dieser Führungsbackground scheint ein wichtiges Plus für die Fähigkeit, sich am Coaching-Markt zu bewähren.

Die Studie hat auch untersucht, wie Coachs für ihr Angebot werben. Nach wie vor ist die Weiterempfehlung der wichtigster Faktor für den Erfolg (15,19 %), gefolgt von der Spezialisierung (7,94 %) und dem persönlichen Kontakt vor einem Coaching (7,69 %). Coachs nutzen neben Aktivitäten wie Vorträgen, Lehraufträgen, Publishing-Aktvitäten und Datenbankeinträgen vor allem Marketing-Instrumente wie die Warmakquise bei Bestandskunden, die eigene Homepage und Social Media-Aktivitäten. Am erfolgreichsten ist offensichtlich die Warmakquise, direkt gefolgt von Aktivitäten auf der Plattform LinkedIn.

Neue Coaching-Markt-Studie

17. März 2021

Im Herbst 2020 hat die Machwürth Team International GmbH eine Studie zur Bedeutung und Organisation des Business Coaching in der Personalentwicklung durchgeführt. Anlass war, so der Firmeninhaber Hans-Peter Machwürth, der starke Anstieg der Coachinganfragen in vielen Unternehmen. Coaching gehört inzwischen zu den Basisinstrumenten der Personalentwicklung, wie die Studie bestätigen konnte.

Die Befragung unter 492 Mitarbeitern in Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten ergab, dass 62 Prozent der Coaching-Entscheider die Methode für bereits fest verankert in der Personalentwicklung halten. Potenzielle Coaching-Klienten im Unternehmen sind jedoch nicht im gleichen Maße von diesem hohen Stellenwert überzeugt. Nach wie vor überwiegt in Firmen das Interesse an Einzelcoachings. Für Teamcoaching interessieren sich 47 Prozent der Entscheider, aber nur 33 Prozent der potenziellen Klienten, auch wenn viele Befragte in der Zukunft einen wachsenden Bedarf erkennen.

Die Hauptzielgruppe für Business Coachings sind mittlere Führungskräfte, gefolgt von operativen Führungskräften und Mitgliedern der Geschäftsführung. Mitarbeiter ohne Führungsverantwortung werden nach wie vor nur in einem sehr geringen Umfang gecoacht. Coachings sind oft Folgemaßnahmen eines Feedback- oder Zielvereinbarungsgesprächs mit Mitarbeitern. Sie werden daher vor allem als individuelle Maßnahmen wahrgenommen.

Das Themenranking im Coaching führt aus Entscheidersicht das Thema Mitarbeiterführung und Mitarbeitersteuerung an, gefolgt vom Konfliktmanagement. Aus Sicht der potenziellen Coachees bedeutsamer ist dagegen das Thema Stressresilienz. Themen wie Gesundheitscoaching, Coaching im Kontext interkulturelle Kompetenzen sowie das Projektmanagement spielen untergeordnete Rollen.

Vor Corona war Coaching vor allem ein Präsenzangebot. Weder Coaching-Plattformen noch Telefon- oder Onlinecoaching nahmen in den Unternehmen einen besonderen Stellenwert ein. Eine schnelle Änderung zeichnet sich jedoch derzeit durch die besondere Konstellation der Homeoffice-Tätigkeit ab. Mit einer Verzahnung der verschiedenen Coaching-Modi ist wohl in den kommenden Jahren zu rechnen.

Wie finden Unternehmen die benötigten Coachs und welche Kriterien sind für die Auswahl wichtig? Zumeist erfolgt der Vorschlag eines bestimmten Coachs durch Personalentwickler, die dabei auf einen internen Coaching-Pool oder auf Empfehlungen aus dem eigenen Netzwerk zurückgreifen. Bevorzugt werden Coachs mit langjähriger Berufserfahrung gewählt. Dabei spielen Referenzen, persönliche Empfehlungen und der Nachweis einer Coaching-Ausbildung ebenfalls eine Rolle. Von geringerer Bedeutung ist die Frage, ob der Coach von Haus aus Psychologe ist oder über eine Zertifizierung verfügt.

Die Autoren der Studie gehen davon aus, dass Coaching gerade auf einen Funktionswandel zusteuert. Der individuelle Charakter des Coachings wird sich wandeln zu einer Maßnahme der Team- und Organisationsentwicklung. Im Zuge der agilen Bewegung wird sich der Fokus verlagern auf Projektarbeit, Prozessmanagement und Kulturveränderung in Organisationen.

Noch viel Potenzial im Coaching-Markt

31. Mai 2020

Die Rauen Coaching-Marktanalyse 2020 hat auf der Grundlage von 550 befragten Coachs untersucht, welche wirtschaftlichen Eckdaten den deutschen Coaching-Markt aktuell bestimmen. Eines der spannenden Ergebnisse der als repräsentativ geltenden Studie: In deutschen Unternehmen ist das Entwicklungspotenzial für die Dienstleistung Coaching noch groß. Und noch eine wichtige Erkenntnis: Coachs erhalten neue Jobs vor allem durch Weiterempfehlungen.

Zusammengefasst hat die Studie bestätigt, was sich schon seit einigen Jahren in der deutschen Coaching-Szene deutlich abzeichnet: Coachs sind mehrheitlich weiblich (59 %), zu 86,21 % akademisch gebildet und im Durchschnitt etwa 54 Jahre alt. Die Studienteilnehmer verfügen im Mittel über fast dreizehn Jahre Erfahrung als Coach und insgesamt das Doppelte an Berufsjahren. Zu fast 57 % zählen die Coachs zur Gruppe der Freiberufler. Nur 12,45 % habe eigene Mitarbeiter, ebenso viele sind teilweise angestellt und zugleich selbstständig tätig. Eine Minderheit, nämlich weniger als 5 %, arbeitet als interner Coach.

Die höchsten Coaching-Honorare, durchschnittlich 240 Euro pro Zeitstunde, erzielen Selbständige mit eigenen Mitarbeitern. Freiberufler dagegen erhalten im Durchschnitt nur rund 185 Euro. Differenziert man das Einkommen der Coachs nach Zielgruppen, zeigen sich deutliche Einkommensunterschiede. Über das höchste Bruttojahreseinkommen verfügen Führungskräfte-Coachs für das Topmanagement in Großunternehmen.

Insgesamt nehmen in Deutschland nur 3,8 % aller Führungskräfte überhaupt Coaching in Anspruch. Am häufigsten lässt sich mit ca. 13 % das mittlere Management von Konzernen bzw. Großunternehmen coachen. Das mittlere Management der kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU), in denen fast 60 % der Arbeitnehmer tätig sind, ist dagegen mit ca. 11 % unterrepräsentiert. Top-Manager aus Konzernen und aus KMU nehmen noch seltener Coaching in Anspruch. Einige wenige Konzern-Top-Manager nutzen das Angebot allerdings sehr intensiv.

Zu den Hauptthemen im Führungskräfte-Coaching zählen die Reflexion der Führungsrolle, Fragen der Persönlichkeits- und Potenzialentfaltung und der Entwicklung der Führungskompetenz. Themen wie Stressmanagement, Arbeitsstil und Burnout-Prophylaxe sind eher untergeordnet. Am häufigsten coachen lassen sich Führungskräfte in der Altersspanne von 41 bis 45 Jahren.

Der Coaching-Markt hat offensichtlich noch nicht seine Grenzen erreicht. Allein im Führungskräftebereich offenbart sich ein noch unerschlossenes Markt-Potenzial von über 96 %. Hinzu kommt der Privatkunden-Markt, der mit zunehmender Popularisierung des Unternehmens-Coachings ebenfalls wächst.

Entwicklung der Coaching-Honorare

18. März 2020

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Anfang März 2020 hat der Roundtable der Coaching-Verbände (RTC) seine 18. Marketing-Umfrage veröffentlicht. Neben den wirtschaftlichen Entwicklungen des Coaching-Markts untersucht die Studie in diesem Jahr die Frage, wie Coachs zur gesetzlichen Regulierung ihrer Tätigkeit stehen. Das Fazit: Wie in der Vorjahresstudie ist knapp die Hälfte der Befragten dafür. Die Zahl der Gegner hat dagegen abgenommen.

Die Ursache dafür findet sich nicht zuletzt im wirtschaftlichen Gefälle zwischen älteren und jüngeren Coachs. Der durchschnittlich erlöste Stundenumsatz ist im letzten Jahr um fast 10 Prozent auf 151 Euro gefallen. Während aber ältere und erfahrenere Coachs noch einen durchschnittlichen Stundensatz über 170 Euro erlösen, liegen die in der Regel jüngeren Regulierungsbefürworter oft unter dem Stundensatz von 151 Euro. Sie versprechen sich von mehr Transparenz und nachvollziehbaren Qualitätsstandards einen persönlichen Zugewinn, während die Senior Coachs durch neue Regeln keine Verbesserung erwarten können.

Der Coaching-Markt wird mit 55,1% nach wie vor von Frauen dominiert, auch im Business-Umfeld. Während Männer nur 35% ihres Umsatzes mit Coaching bestreiten, sind es bei Frauen 38,8%. Die Stundenhonorare von Frauen liegen jedoch mit 147, 83 Euro unter den männlichen Stundenhonoraren von 158,16 Euro. Sowohl bei den Business Coachings als auch bei den privaten Coachings schneiden Frauen finanziell schlechter ab.

Die Studie kann die Gründe für den Verfall des durchschnittlichen Coaching-Stundenpreises noch nicht erklären. Vermutet wird jedoch, dass nicht zuletzt Online-Coaching-Portale dazu beigetragen haben. In einer Nachfolgestudie soll genau diese Fragestellung im Mittelpunkt stehen.

Honorartrends in der Weiterbildung

10. Mai 2019

Welche wirtschaftlichen Trends zeichnen sich am Weiterbildungsmarkt ab? Wie entwickeln sich die Honorare von Trainern und Coachs? Mit welchen Einkommensverläufen können Trainer und Coachs im Verlauf ihres Erwerbslebens rechnen? Und wie können sie sich positionieren, um ihre Honorare zu verbessern? Diese Fragen beantwortet die Honorar- und Gehaltsstudie 2019 der Zeitschrift managerSeminare, in der die Ergebnisse einer Online-Umfrage mit rund 1.150 Weiterbildnern im Dezember 2018 eingeflossen sind.

Wichtigstes Ergebnis der Studie: Ungeachtet einer längeren Phase guter Wirtschaftskonjunktur zeichnet sich eine Stagnation der Honorare ab. Im Hochpreissegment sind sogar rückläufige Tagessätze festzustellen. Zugleich nimmt die Zahl der Seminartage und die Trainingsdauer ab. Auch in offenen Seminaren sind rückläufige Teilnehmerzahlen zu verzeichnen.

Woran das liegt? Zum einen hält der Trend zu immer kürzeren Weiterbildungsmaßnahmen an. Zum anderen nehmen im Zuge der Digitalisierung Webinare und E-Learning-Angebote mit Selbstlerncharakter einen immer größeren Raum ein. Für Trainer ergibt sich daraus die Aufgabe, eigene Konzepte entweder weiter zu individualisieren oder den neuen Anforderungen anzupasssen.

Beim Vergleich der Honorarhöhe fällt auf, dass die eigene Positionierung im Hinblick auf Thema,  Branche und Zielgruppe entscheidend ist. So erlösen Managementtrainer 73 Prozent mehr Honorar als Sprachtrainer, und Berater für Führung und Vertrieb 50 Prozent mehr als Berater von Kunden aus dem Privat- oder Sozialbereich. Viele Trainer, Berater und Coachs lassen die Chance zu einer ertragreicheren Positionierung allerdings ungenutzt. Fast alle Weiterbildner arbeiten übrigens mit einem Mix aus Training, Beratung und Coaching, wobei alle drei Angebote sich in einem immer ausgewogeneren Umsatzverhältnis bewegen.

Einkommenseinbußen durch ungünstige Positionierungen erleiden insbesondere die weiblichen Trainer. Die Honorarsätze für Frauen und Männer klaffen weit auseinander. Frauen widmen sich überproportional einer privaten und sozialen Klientel und sind oft im öffentlichen oder im Non-Profilt-Bereich tätig. Zu den Geringverdienern gehören auch die jüngeren Trainerkollegen. Je erfahrener ein Trainer, umso größer sein Jahresumsatz. Insbesondere die ersten zwei Trainerberufsjahre bewegen sich finanziell auf einem kritischen Niveau. Ohne vorab angelegtes Finanzpolster ist das kaum zu stemmen.

Coaching in Zahlen

29. Januar 2019

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Geht man von der Popularität und Verbreitung des Begriffs aus, könnte man glauben, dass Coaching in Deutschland bereits zu einer Standard-Dienstleistung für Menschen aller Berufe und Hierarchieebenen geworden ist. Stimmt dieser Eindruck? Welchen Stellenwert nimmt Coaching inzwischen im Gesamtportfolio des Beratermarkts ein? Wie entwickeln sich Coaching-Markt und -Preise? Welche Trends zeichnen sich ab?

Tatsächlich ist der deutsche Coaching-Markt nach dem US-amerikanischen und britischen der drittgrößte Markt für Coaching-Dienstleistungen weltweit. Als Instrument der Personalentwicklung hat sich Coaching in Deutschland hierarchieübergreifend fest etabliert. Der Schwerpunkt im Business Coaching liegt jedoch nach wie vor beim gehobenen und mittleren Management. Allerdings zeichnet sich ab, dass Coaching zunehmend von öffentlichen Einrichtungen sowie kleinen und mittelständischen Unternehmen angefragt wird, die über 80 Prozent der deutsche Arbeitsplätze bieten. Zudem gibt es Indizien dafür, dass sich der Privatkundenmarkt ausweitet.

Von einem weiteren Wachstum ist daher derzeit auszugehen. Zumal der Marktanteil von Coaching, gemessen am Gesamtvolumen des deutschen Beratermarkts im Umfang von 31,5 Mrd. Euro im Jahr 2018 (Facts & Figures zum Beratermarkt 2018 vom Bundesverband Deutscher Unternehmensberater BDU e.V.), nach wie vor noch ausbaufähig ist. Da keine aktuellen Zahlen vorliegen, sei hier zum Vergleich der Coaching-Umsatz aus dem Jahre 2013 im Umfang von etwa 450 Mio. Euro genannt (Quelle: 3. Marburger Coaching-Studie 2013, Philipps-Universität Marburg).

Der deutsche Coaching-Markt ist geprägt durch Einzelanbieter, die mehrheitlich freiberuflich tätig sind. Allerdings leben weniger als 10 Prozent der Coachs nur von  Coaching. Coaching ist ein Zusatzgeschäft. Denn ein Coach begleitete 2017 im Mittel nicht mehr als 24 Coaching-Prozesse im Umfang von 12,3 Stunden (Quelle: Coaching-Umfrage, Jörg Middendorf). Durchschnittlich erwirtschaftete er im Geschäftskundenbereich pro Stunde 181,67 Euro, im Privatkundenbereich durchschnittlich 126,30 Euro. Am wenigsten rechnen nebenberufliche Coachs ab, am meisten institutionelle Anbieter. Die Honorarhöhe hängt aber auch von der Erfahrung und vom Alter des Coachs ab. Auch die Spezialisierung auf die Zielgruppe Executives zahlt sich, wie viele Untersuchungen bestätigen, finanziell aus.

Die hohen menschlichen Anforderungen des schnellen Wandels in Wirtschaft und Lebenswelt sind in wachsendem Maße ein Motor für die Inanspruchnahme der Dienstleistung Coaching. Hinzu kommt, dass immer mehr Unternehmen inzwischen Coaching nicht mehr aus einer defizit-, sondern lösungsorientierte Perspektive betrachten und es zunehmend proaktiv einsetzen. Beispielsweise sind in agilen Unternehmen und Unternehmens-Einheiten Teams auf die Begleitung eines in- oder externen Coachs als Teil der Methode angewiesen.

Erfahrene Coachs sind wirtschaftlich erfolgreicher

1. März 2018

Die Coaching-Umfrage Deutschland 2016/17, geleitet von Jörg Middendorf, hat zum wiederholten Male die Honorar-Situation am deutschen Coaching-Markt erkundet. Die gute Nachricht für Coachs: Die Honorare steigen wieder. Im Durchschnitt erwirtschaftete 2016 ein Coach 168 Euro für eine Coaching-Stunde, während er 2010 nur 153 Euro bekam. Was können Coachs tun, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein?

Nicht neu ist die Erkenntnis, dass eine große Spanne zwischen den Honoraren für Privat- und Business-Kunden zu verzeichnen ist. Im Unternehmen erhielt ein Coach im Jahr 2016 durchschnittlich 184 Euro für sein Coaching, während er im Privatkundensektor nur durchschnittlich 125 Euro bekam. Diese Durchschnittswerte dürfen allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass es eine große Spanne in der realen Einkommenssituation der Coachs gibt. Als unterste Preisgrenze nennt die Studie 50 Euro für ein Privatkunden-Coaching. Als obere Preisgrenze werden im Business-Sektor sogar Honorare über 300 Euro pro Coaching-Einheit erzielt.

Aber auch das Alter und die Berufserfahrung des Coachs spielen eine Rolle bei der Honorarhöhe. Je älter der Coachs und je mehr Coaching-Berufserfahrung, umso höher sein Honorar. Eine Spezialisierung als Coachs auf bestimmte Themen, Coaching-Anlässe oder Branchen hat jedoch nicht zwangsläufig Auswirkungen auf die wirtschaftlich Situation. Lediglich die Fokussierung auf den Executive-Coaching-Markt geht mit wesentlich höheren Honoraren einher.

Auch das Geschlecht steht mit der Honorarhöhe in Verbindung. Männliche Coachs, so die wenig überraschende Festststellung, verdienen im Durchschnitt wesentlich mehr als ihre Kolleginnen. Doch eine erstaunliche Ausnahme kann Frauen Mut machen, selbstbewusster für ihre Honorare zu plädieren: Coachinnen, die sich auf Executive-Coaching spezialisiert haben, erwirtschaften mit 271 Euro die höchsten überdurchschnittlichen Stundensätze überhaupt.

Middendorf empfiehlt den Coachs, sich passende (Weiterempfehlungs-)Netzwerke aufzubauen und mit einer breiten Angebotspalette wie zum Beispiel Beratung oder Training in den Markt zu gehen. Denn Coaching beruht auf Vertrauen. Und Vertrauen kann am besten durch Weiterempfehlungen und konkrete Arbeitserfahrungen mit einem Dienstleister aufgebaut werden. Die meisten Coachs erwirtschaften daher nur etwa ein Drittel ihres Umsatzes mit Coaching.

Eine weitere Empfehlung lautet, die Abrechnungsmodalitäten für Coachings zu überdenken. Während für Beratertätigkeiten und Trainings Tagessätze oder Projektsummen abgerechnet werden, gilt für Coaching nach wie vor das Prinzip der Stundensätze. Eine gute Argumentation vorausgesetzt, so Middendorf, lassen sich auch neue Honorarmodelle für das Coaching finden.

Wie bekannt ist Coaching?

25. Oktober 2017

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Die 2017 ICF Global Consumer Awareness Study, beauftragt von der International Coach Federation (ICF) und durchgeführt von PwCResearch, hat die Bekanntheit des Beratungsformats Coaching in den 30 Staaten mit den höchsten ICF-Mitgliederzahlen untersucht. Das erfreuliche Ergebnis: Das Wissen um die Methode Coaching nimmt weiter zu.

Immerhin 66 Prozent der Studienteilnehmer sind sich des professionellen Business- und oder Life-Coachings „einigermaßen“ oder „sehr“ bewusst. Insbesondere in der Generation der Millenials bzw. der Generation Y erfreut sich Coaching großer und zudem wachsender Bekanntheit. Fast die Hälfe aller in der Studie Befragten, nämlich 31 Prozent, hat auch bereits ein professionelles Coaching als Klient in Anspruch genommen.

Über 88 Prozent derjenigen, die über Coaching-Erfahrung verfügen, waren zudem mit der Erfahrung zufrieden. Der Grad der Zufriedenheit mit einem Coach steht, so ein Ergebnis der Studie, auch in Zusammenhang mit der Anerkennung des Coachs durch einen professionellen Coaching-Verband. Vor allem für die jüngeren Studienteilnehmer sei eine offizielle Zertifizierung des Coachs „wichtig“ oder „sehr wichtig“.

Die Coaching-Qualität stimmt

2. Mai 2017

Die Coaching- Umfrage 2016, herausgegeben von Jörg Middendorf und dem Roundtable der Coachingverbände, zeigt, dass Coaching im deutschsprachigen Raum ein Empfehlungsgeschäft ist. Neukunden orientieren sich vorwiegend an persönlichen Empfehlungen, wie die Befragung von 546 Coachs ergab. Zwar zählen auch Berufserfahrung und Feldkompetenzen. Aber erst in dritter Linie interessieren sich Klienten für thematische Spezialisierungen, methodische Ausrichtungen oder Verbandsmitgliedschaften.

Dass Ausbildungsgang und Art der Zertifizierung sowie Verbandszugehörigkeit und thematische Spezialisierung für die Kundenakquise keine große Rolle spielen, hält die deutschsprachigen Coachs jedoch nicht davon ab, in Qualifizierungsmaßnahmen zu investieren. Über 60 Prozent der Befragten haben an einer systemisch orientierten Grundausbildung teilgenommen haben. Nicht wenige Coachs in Deutschland haben Aus- und Weiterbildungen im Umfang von 500 bis 1.000 Stunden genossen. Durchschnittlich 76 Stunden wenden Coachs jährlich auf, um ihr Know-how zu aktualisieren.

Diese Investition wird auch finanziell belohnt. Nach einem Einbruch im Vorjahr haben die Coach-Saläre im Jahr 2016 im Durchschnitt zugelegt. Beim Privatkundengeschäft erhöhte sich der Stundensatz um 3,5 Prozent, beim Business Coaching um 0,8 Prozent. Mit steigendem Lebensalter und längerer Berufserfahrung erwirtschaften Coachs übrigens höhere Stundensätze als ihre Kollegen. Die große Bedeutung von Empfehlungen und dichten Netzwerken kann hierfür eine Begründung sein. Eine thematische Spezialisierung bringt aber, wie die Untersuchung ergab, Coachs in der Regel keine finanziellen Vorteile.

 

 

Coaching-Professionalität nachweisen

1. September 2016

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Insgesamt 15.380 Coachs aus 137 Ländern, darunter 261 aus Deutschland, haben in der Coaching-Studie 2016 der International Coach Federation (ICF) im Jahr 2015 Stellung zu zentralen Fragen ihrer Profession Stellung bezogen. Die Studie zeigt: Deutsche Coachs legen Wert auf anerkannte Zertifizierungen. Sie sind jedoch eher zurückhaltend, wenn es um eine Regulierung der Coach-Profession geht.

Da Coaching in Deutschland keine geschützte Berufsbezeichnung ist, streben Coachs als Professionalitätsnachweis in der Regel die Anerkennung durch einen Berufsverband an. Damit entsprechen sie der Erwartungshaltung von über 70 Prozent ihrer Klienten und erzielen zudem höhere Honorare, als es unzertifizierten Kollegen gelingt.

Die Frage, ob die Coach-Profession eine intensivere Regulierung erfahren solle, wird allerdings sowohl in Deutschland als auch weltweit kontrovers diskutiert. Einer Regulierung durch staatliche Stellen stehen die meisten Coachs skeptisch gegenüber. Es überwiegt der Wunsch nach einer selbstregulativen Lösungen auf der Verbandsebene.

Eine Besonderheit des deutschen Coaching-Markts: Die Feldkompetenz, also die Berufserfahrung des Coachs vor Aufnahme seiner Coach-Tätigkeit, wird in Deutschland besonders wertgeschätzt. Über 37 Prozent der deutschen Coachs verfügen über zehn Jahre Erfahrung in unterschiedlichen Berufsfeldern, während im internationalen Durchschnitt nur 29 Prozent der Coachs über diesen Erfahrungsschatz verfügen.

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