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Organisation der Coaching-Landschaft

15. November 2019

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Wie ist die deutsche Coaching-Landschaft organisiert? Wer definiert, was genau Coaching ist? Und wer legt fest, was gute Coachs für Qualitäten aufweisen sollen? Eine Frage, auf die sich im öffentlichen Raum nicht sofort eine klare Antwort finden lässt. Dieser Befund ist nicht zuletzt dem Tatbestand geschuldet, dass Coaching in Deutschland nicht als Berufsbild festgeschrieben ist. Eine weiterer Faktor für die Unübersichtlichkeit ist die vielgestaltige Verbandslandschaft.

Denn es gibt zahlreiche Verbände, die Coachs beruflich vertreten, an der Etablierung von Standards arbeiten oder über Zertifizierungssysteme zur Qualitätssicherung beitragen wollen, wie die Liste im Coaching-Report zeigt. Das Bestreben zur Professionalisierung und Klärung geht dabei in manchen Fällen auch mit wirtschaftlichen Interessen Hand in Hand, weil die Positionierung von Coaching als Disziplin durch das eigene Marketing-Profil mitbestimmt wird. Viele Verbände vertreten zudem nur eine kleine Zahl an Mitgliedern.

Ein weiteres Phänomen sind Mischverbände, die Coaching als Ergänzung zu ihren Hauptthemen wie Therapie, Training, Verkauf oder Beratung vertreten. Dazu gehört auch der Deutsche Verband für Neuro-Linguistisches Programmieren e. V. (DVNLP), der Verband der NLP-Anwender, mit rund 1.900 Mitgliedern einer der größten Weiterbildungsvereine in Deutschland. Im DVNLP organisieren sich unter anderem NLP-Trainer sowie NLP-Therapeuten und NLP-Coachs.

Eine Hilfe zur Orientierung am Markt für Coaching-Ausbildungen leistet seit 2013 der Kriterienkatalog der Stifung Warentest. Zwar bietet er keine allgemeinverbindliche Definition von Coaching und klärt auch nicht abschließend das Berufsbild des Coachs. Er fasst aber die Maßstäbe für gute Ausbildungen übersichtlich zusammen. Die Kriterien des Katalogs beruhen auf der Befragung von Ausbildungsanbietern sowie von Coaching-Verbänden, die Stiftung Warentest im Anschluss an die Erhebung mit Coaching-Experten aus Wissenschaft und Praxis und mit Vertretern von Coaching-Verbänden diskutiert hat.

Seit einigen Jahren bemüht sich auch die Coaching-Szene selbst, das Berufsbild des Coachs zu klären. Der Roundtable der Coachingverbände mit 17 Mitgliedern wie zum Beispiel dem Deutschen Bundesverband Coaching e. V. (DBVC), dem Deutschen Coaching Verband e. V. (DCV) und der Internationalen Coach Federation (ICF) arbeitet aktiv daran, der Unübersichtlichkeit der Coaching-Landschaft entgegenzuwirken. Mit gemeinsamen Positionspapieren legen die Mitglieder die Grundlage für einheitliche Qualitätskriterien zu ethischen Grundsätzen, Werthaltungen, Umfang von Coaching-Ausbildungen und die Konstitution von Coaching-Verbänden.

2015 haben die Mitglieder des Roundtables im Positionspapier zur Profession Coaching diese Form der Begleitung von Menschen von Beratung sowie Therapie klar abgegrenzt und definiert: „Coaching richtet sich an einzelne Personen (bzw. Personengruppen) und fördert deren Fähigkeit zur Selbstorganisation im Berufs- und Arbeitsleben. Coaching unterstützt die Person bei der Gestaltung ihrer persönlichen Entwicklung, ihrer sozialen Rollen und ihrer Kooperationsbeziehungen sowie bei der Bewältigung ihrer Entscheidungs- und Handlungsanforderungen im Arbeitsleben.“

Zum Berufsbild des Coachs heißt es weiter: „Coaching wird durch einen Coach ausgeübt, dessen Qualifizierung von einem Berufs- oder Fachverband anerkannt ist (…). Im Dialog zwischen Coach und Klient werden Reflexions- und (Selbst-)Erfahrungsräume eröffnet und Klärungsprozesse initiiert. Durch die Erschließung neuer Perspektiven werden Entwicklungspotenziale und Handlungsspielräume erschlossen, Lern- und Veränderungsprozesse angeregt und begleitet sowie die Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit gestärkt.“

Im Positionspapier des Roundtables zur Ehtik im Coaching haben die Mitglieer außerdem festgelegt, welche ethische Regeln für die Mitglieder-Coachs gelten und zu welchem qualitätssichernden Verhalten sie sich verpflichten. So gehören regelmäßige Fortbildungen und persönliche Supervisionen zum festen Bestandteil der professionellen Berufspraxis. Beim Erkunden der Coaching-Verbandslandschaft und bei der Wahl einer Coaching-Ausbildung darf daher derzeit wohl als Standard gelten, was den Kritierien des Roundtables entspricht.

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