Posts Tagged ‘Embodiment’

Qualitätskriterien im systemischen Coaching

3. Juli 2017

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Was macht aus systemischer Warte Coaching-Qualität aus? Wie lässt sich diese Qualität verbessern? Mit welchen Schritten können Coachs ihre Leistung evaluieren? Und wie können sie aus jedem Coaching lernen?

Aus systemisch-lösungsorientierter Sicht ist Coaching das Führen von Menschen zu ihren eigenen Lösungen, im Gegesatz zur Beratung. Coaching muss sich daher vor allem an diesem Anspruch bewähren. Zur Einlösung gilt es allerdings, verschiedene Qualitätsaspekte zu beachten. Drei Ebenen seien hervorgehoben: Die Qualität der Rahmenbedingungen bzw. der Struktur, die Qualität des Prozesses einschließlich der Beziehung zwischen Coach und Klient und natürlich die Qualität der Auftragseinlösung.

Zur Strukturqualität des Coachings gehört es zum einen, dass der Coach das passende räumliche Ambiente sowie Material anbietet, beispielsweise für eine Aufstellung. Zum anderen ist er verantwortlich für das Abstecken der vertraglichen Rahmenbedingungen und das sorgfältige Klären der Erwartungshaltung seines Klienten.

Rapport führt
Stimmt die Strukturqualität, dann sind die Bahnen für eine erfolgreiche Prozessqualität bereits gestellt. Denn passende Strukturen erhöhen schnell Rapport, der NLP-Fachbegriff für die tragfähige Beziehung zwischen Coach und Klient. Für erfolgreiche Prozesse braucht der Coach persönliche Reife, gute Wahrnehmungs- und Analysefähigkeiten und umfangreiche Methodenkompetenz. Doch diese Komponenten können nur zum Tragen kommen, wenn das Beziehungsband zwischen Coach und Klient eng genug ist. Denn Kommunikation ist verkörpert – das Führen des Klienten zu seinen eigenen Lösungen gelingt dem Coach nur, wenn der Klient sich in Rapport fühlt.

Den Unterschied finden, der den Unterschied erzeugt
Auch die Qualität der Auftragseinlösung bzw. der Grad des Erfolgs im Coaching hängen deshalb vom Rapport ab. Doch er allein reicht nicht aus. Der Coach braucht zum einen die Fähigkeit, die komplexe Situation des Klienten mittels sorgfältiger Beobachtung, kombiniert mit kluger Hypothesenbildung, guten Fragetechniken und präziser analytischer Auswertung der gewonnenen Informationen zu erfassen. Zum anderen muss er die Hebel erkennen, mit denen der Klient zunächst vom Auftrag zu einer sinnvollen Zielbestimmung und dann zur Zielerreichung gelangen kann. Ein guter Coach erkennt den Unterschied, der den Unterschied macht, und leitet die entsprechenden Entwicklungsprozsesse ein.

Mulitperspektivität verändert
Alles in allem kann Coaching nur wirkungsvoll sein, wenn der Coach multiperspektivisch verfährt: Er erlebt den Klienten zum einen aus der subjektiven Ich-Perspektive. Zum anderen geht er in Empathie mit ihm und gewinnt Informationen aus der Du-Position. Darüber hinaus nimmt er die Beobacherrolle ein und überprüft seine Informationen aus der möglichst neutralen Distanz. Als systemischer Coach geht er jedoch noch einen Schritt weiter. Nach jedem Coaching versetzt er sich in die Rolle eines Beobachters seiner eigenen Beobachtungen als Coach. Mit diesem im NLP Meta-Mirror genannten Schritt überprüft er Rapport, Vorgehensweise, Hypothesen und Informationen.

Qualität durch Weitwinkel
Durch dieses Vorgehen gelingt es dem Coach, seine subjektive Perspektive mit einem Weitwinkel zu versehen. Er erkennt leichter seine eigenen persönlichen Befangenheiten und kann den Coaching-Verlauf einer wirkungsvollen Qualitätsprüfung unterziehen. Naturgemäß ist der Coach auch in dieser Meta-Mirror-Perspektive nicht objektiv. Doch durch dieses Doppelschleifenlernen bietet er dem Klienten an Maximum and Qualität.

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Mit dem Körper kommunizieren

3. August 2015

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Kommunikation beginnt im Körper, nicht im Kopf. So der Untertitel zu Maja Storchs und Wolfgang Tschachers Buch zur Embodied Communication. Neurobiologische und psychologische Forschungen zeigen, dass Denken ohne Ankoppelung an Körperfeedback nicht vorstellbar ist. Kommunikation ist nicht die Übermittlung einer Information, sondern an Körperrückmeldungen gekoppelte Interaktion.

Zwar ist die von Storch und Tschacher vorgestellte Sicht der Kommunikation als reflexives, zirkuläres Geschehen nicht neu. Sie wurde vor allem von Paul Watzlawick bereits seit den siebziger Jahren vertreten. Aber mit der Embodiment-Forschung lässt sich nun konkret belegen, dass die Prozesse zwischen Körper und Geist immer zweigleisig ablaufen und das Emotionen bei allen Entscheidungen eine zentrale Rolle spielen.

Was bedeutet nun Embodiment für die Praxis der Kommunikation? Es wird Zeit, sich von allen Methoden zu lösen, die vom Körper und von Gefühlen abstrahieren. Der Körper spricht immer mit und transportiert seine Botschaft unverstellt, auch wenn diese im Widerspruch zu den gewählten Worten steht. Mit dem Fokus auf Körperkalibrierung hat das NLP bereits sehr früh den Erfolgsfaktor für eine verbesserte Kommunikation erkannt.

Mit Theatermethoden coachen

1. Juli 2013

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Theatermethoden im Coaching? Klingt ungewöhnlich, hat aber durchaus Tradition, wie zum Beispiel Morenos Psychodrama zeigt. Die Business Coachin Annette Becker macht zahlreiche Vorschläge, wie sich theaterorientierte Methoden in das systemische Einzel- und Teamcoaching intergrieren lassen.

Das große Plus der Theatermethoden:  Als erlebnis- und handlungsorientierte Herangehensweisen integrieren sie auf spielerische Art und Weise Körper, Seele und Geist. Besser als sprachliche Analysen bringen sie Selbsterkenntnis hervor und bieten Raum, um stimmige Veränderungen auszuprobieren.

Zentrales Spiel-Motto, das Becker häufig wiederholt: Es gibt kein richtig oder falsch. Theatermethoden sind systemisch-lösungsorientiert. Sie ermöglichen ein intensives Selbsterleben, eröffnen neue Weltsichten und erhöhen die Flexibilität. Theater ist Probehandeln, das die persönliche Handlungssicherheit im Alltag erhöht.

Die meisten der von Becker systematisierten Spielideen sind nicht ganz neu. Neu und begrüßenswert ist allerdings ihre Idee, Theatermethoden methodisch für das Coaching zu systematisieren.

Gefühle lesen lernen

31. Januar 2011

Unsere Emotionen sind uns ins Gesicht geschrieben. So die These des Psychologen Paul Ekman, nachzulesen in seinem Buch Gefühle lesen. Wenn wir mehr über uns und unsere Mitmenschen erfahren wollen, können wir lernen, die Sprache des Gesichts zu erkennen und richtig zu interpretieren.

Paul Ekman hat im Verlauf seiner Karriere über 10.000 verschiedene Gesichtsausdrücke fotografisch dokumentiert, katalogisiert,  und auf dieser Basis das Facial Action Coding System (FACS) entwickelt, eine Art Universallexikon für Mimik.

Denn seine Feststellung lautet: Mimik ist universal. Auf jedes Geschehen in unserem Leben reagieren wir im Bruchteil einer Sekunde mit einer Emotion, die von unserem Gesicht abgelesen werden kann. Das passiert unabhängig davon, ob uns selbst diese Bewertung bereits bewusst geworden ist.

Welchen Nutzen bietet die Fähigkeit, Gefühle mimisch zu erkennen?

Das ist ganz offensichtlich, wenn wir erkunden wollen, ob die Worte unseres Gegenübers deckungsgleich mit seinen Gefühlen sind. Auch für den Coach ist der Gesichtsausdruck ein wesentlicher Schlüssel zu den Emotionen seines Klienten. Ekman legt außerdem nahe, die Eigenwahrnehmung  zu trainieren, um eigene Gefühle besser lesen zu lernen.

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