Posts Tagged ‘Kybernetik’

Innere Repräsentation dominiert Interaktion

18. September 2019

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Innere Repräsentation dominert Interaktion. Dieser Satz des holländischen NLP-Trainers Lucas Derks stellt unser Alltagsdenken über Ursache und Wirkungen im menschlichen Miteinander auf den Kopf. Nicht unser Handeln im Außen gibt den Ausschlag, sondern unsere innere Wirklichkeitskonstruktion bzw. Repräsentation der Wirklichkeit in Form von Gefühlen, Bildern, Klängen, Worten sowie Geschmack und Geruch. Welche praktische Bedeutung ergibt sich aus diesem Gedanken?

Wenn wir die Kommunikation mit unseren Mitmenschen verbessern wollen, arbeiten wir im Allgemeinen vor allem an unserer Sprache und unserem Verhalten. Durch diese äußeren Zeichen versuchen wir, einen gelungenen Austausch herzustellen. Was wir im Moment dieses Verhaltens fühlen und welche inneren Bilder und Gedanken uns dabei begleiten, steht nicht im Mittelpunkt. Aus der Sicht eines intrasystemisch NLP-Denkers wie Lucas Derks verwundert es daher wenig, wenn unsere äußeren Signale verpuffen, solange sie noch nicht im Einklang mit der inneren Repräsentation sind.

Ein Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie haben Streit mit einem Menschen. Weil Sie den Konflikt aus einem Bedürfnis nach Harmonie aus der Welt schaffen möchten, gehen Sie auf Ihren Streitpartner zu. Doch in Ihrem Inneren konkurriert das Bedürfnis nach Frieden mit dem Ärger über den Streitpartner. Ihre Interaktion wird aller Wahrscheinlichkeit nicht von Erfolg gekrönt sein. Denn der verärgerte Teil in Ihnen kommuniziert sich durch Körpersprache und Stimmqualität.

Was ist die Folge? Vielleicht ärgern Sie sich jetzt noch mehr über Ihren Streitpartner. Vielleicht bemühen Sie sich auch noch intensiver, mit Konfliktmanagement-Methoden bessere Wege zu finden. Dabei läge die praktischste Lösung sehr nah: Klären Sie Ihre Emotionen, Bilder und Bewertungen, indem Sie Ihre Perspektive, die Perspektive des Streitpartners und mögliche andere Perspektiven zum Geschehen durcharbeiten. Gute Lösungen beruhen auf einem Verständnis für die Gefühle, Bedürfnisse und positiven Absichten aller einschließlich der eigenen Person. Gute Lösungen lösen das eigene innere ungute Gefühl.

Die Quintessenz: Die Voraussetzungen für eine gelungene Interaktion liegen im Inneren. Verändert sich das Innere, zeigt sich der Wandel in der Außenwelt. Skeptiker fragen: Liegt jetzt nicht die ganze Verantwortung beim eigenen Ich? Die Antwort des systemischen Denkers lautet: Beim wem denn sonst? Nur das eigene Ich kann die Verantwortung für die eigenen inneren Repräsentationen und Interaktionen übernehmen. Aber das gilt natürlich auch für das Ich des Streitparters. Je bereitwilliger beide ihr Inneres klären, umso einfacher wird das Miteinander.

Die Kybernetik 2. Ordnung verstehen

1. August 2014

Das Schlagwort systemisch ist modern. Doch was genau bedeutet es, auf der Grundlage des systemischen Weltbildes zu agieren? Die Antwort darauf fällt gar nicht so leicht, weil unterschiedliche Verständnisse des Begriffs existieren. Ein Blick in die Kybernetik, der Wissenschaft der Steuerung und Regelung von Systemen, trägt zur Klärung bei.

Die Kybernetik, abgeleitet aus dem Griechischen für die Kunst des Steuerns, war zunächst eine  Steuerungslehre für technische Systeme. Sie wurden dann aber auch auf soziale Systeme übertragen. Der bahnbrechende Fortschritt der Kybernetik 1. Ordnung im Vergleich zu nicht-systemischen Sichtweisen: Der Blick richtet sich vom Individuum auf Menschen in sozialen Bezügen. Die Wechselwirkungen zwischen Systemen und Subsystemen tritt in den Fokus der Aufmerksamkeit.

Allerdings orientiert sich die Kybernetik 1. Ordnung noch an einem aus der Technik entstammenden Systembegriff, der den Besonderheiten lebender Systeme nicht gerecht wird. Auch heute noch beziehen sich viele indirekt, wenn sie das Stichwort systemisch verwenden, auf das Verständnis der Kybernetik 1. Ordnung: Als systemisches Denken bezeichnen sie, Ursachen nicht beim Individuum, sondern beim sozialen System zu lokalisieren.

Erst die Weiterentwicklung der Kybernetik, die Kybernetik 2. Ordnung, wird komplexen lebenden Systemen gerecht. Sie entstand in den achtziger Jahres des letzten Jahrhunderts. Ihre Vertreter gehen davon aus, dass komplexe, geschlossene Systeme wie der Mensch zur dynamischen Selbstregulation und Eigenverantwortlichkeit fähig sind. Sie entscheiden nach eigenen Regeln, wie der Input mit ihnen interagierender Systeme verarbeitet wird. Ein offenes technisches System dagegen, zum Beispiel ein Thermostat, nimmt den Input der Umwelt auf und setzt ihn berechenbar  um in Aktion.

Die an linearen Steuerungsvorgängen ausgerichteten Regeln der Kybernetik 1. Ordnung haben in der Kybernetik 2. Ordung keinen Platz. Sie orientiert sich stattdessen an der Kommunikation. Systemisch Steuern im Sinne der Kybernetik 2. Ordnung bedeutet, kommunikative Wirkungen zu erzeugen. Coaching beispielsweise ist eine spezialisierte Form der kommunikativen Steuerung.

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