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Coaching face-to-face oder medial?

27. November 2017

Mann mit Handy

Die Digitalisierung fördert, so der Tenor der Kienbaum Studie Future Management Development 2017, den Coaching-Bedarf. Zugleich macht sie aber auch vor Coaching selbst nicht halt. Daher ist es an der Zeit zu fragen, ob Online-Coaching aus der Warte eines systemischen NLP-Coachs die gleiche Qualität wie Präsenz-Coaching haben kann. Denn Körpersprache bzw. nonverbale Kommunikation trägt nicht nur enorm zum guten Kontaktaufbau und Verständnis zwischen Coach und Klient bei. Sie ist auch ein entscheidender Wirkfaktor im Coaching.

In der Kommunikationswissenschaft geht man davon aus, dass kommunikative Wirkung nur etwa zu einem Zehntel auf dem gesprochenen Wort beruht. Das entscheidendere Gewicht kommen der Körpersprache mit etwa fünf Zehnteln und der Stimmqualität mit vier  Zehnteln zu. Der Face-to-Face-Austausch ohne Medienbeschränkung schafft daher ganz offensichtlich die besten Bedingungen für gelungene Kommunikation auf allen Sinneskanälen. Doch NLP-Anwender wissen auch, dass individuelle Sinnesvorlieben die Erreichbarkeit eines Menschen auf einem spezifischen Sinneskanals erleichtern können. Was bedeutet das für den Nutzen der verschiedenen Online-Coaching-Formen?

Online-Coaching – ein breites Feld
Online-Coaching, auch E-Coaching, Virtuelles Coaching oder Digitales Coaching genannt, umfasst verschiedene Technologien, die kombinierbar sind. Klassiker ist das Telefonieren, die parallele Kommunikation über die Stimme. Videotelefonie ergänzt den verbalen Austausch noch durch ein Bild, ohne allerdings den gesamten Körper einfangen zu können. Desweiteren gibt es asynchrone digitale Austauschformen unter Verzicht auf Wort und Bild. Dazu gehören das Chat-Coaching über Messenger-Dienste, das E-Mail-Coaching und das SMS-Coaching.

Videocoaching – größte Sinnesvielfalt
Die Frage nach der Qualität von Online-Coaching kann also ganz offensichtlich keine pauschale Beantwortung finden. Am stärksten vergleichbar mit einem Präsenz-Coaching ist das Videocoaching. Coach und Klienten können, wenn auch mit Einschränkungen, körpersprachlich kommunizieren. Systemische NLP-Coachs müssen allerdings komplett auf den Einsatz räumlich-kinästhetischer Coaching-Formate wie beispielsweise auf eine Timelinearbeit mit Bodenankern verzichten. Videocoaching bleibt so tendenziell rationaler und dissoziierter als ein Coaching Face-to-Face.

Telefoncoaching – auditive Spezialisierung
Telefoncoaching kommt Klienten sowie Coachs mit einer auditiven Sinnesvorliebe entgegen. Die Beschränkung auf einen Sinneskanal erhöht bei ihnen oft sogar den Rapport und die Konzentration. Möchte ein stark auditiver Klient aber seine Kommuniktionskompetenz im sozialen Miteinander verbessern, ist ganz offensichtlich auch bei ihm das Telefon nicht das Medium der Wahl. Stark visuelle Klienten empfinden das Telefoncoaching im Vergleich zum Videocoaching im Allgemeinen als große Beschneidung.

E-Mail- und Chat-Coaching – hohes Reflexionspotenzial
E-Mail- und Chat- sowie SMS-Coaching beruhen allein auf dem geschriebenen Wort. Die Kommunikation zwischen Klient und Coach bleibt eingeschränkt auf den geistigen Austausch. Es ist daher die rational-dissoziierteste Online-Coaching-Form bzw. die Form, die am stärksten auf eine emotional-kinästhetische Komponente verzichten muss. Ihr größter Vorzug, die Schaffung eines intensiven Reflexionsraums, kann daher in Abhängigkeit zur Fragestellung auch ihr größter Nachteil sein.

Coaching-Qualität – auch eine Frage des Kontexts
Qualität im Coaching hängt ganz offensichtlich von einer Vielzahl von Faktoren ab, die es in Balance zu halten gilt. Ein Präsenz-Coaching bietet im Allgemeinen die besten Bedingungen für den Coaching-Erfolg, weil es ein ganzheitliches, alle Sinne des Menschen ansprechendes Vorgehen erlaubt. Die Begegnung von Mensch zu Mensch ist in ihrer Wirkung nicht durch Medien zu ersetzen. Doch zeitliche und finanzielle Faktoren sowie bestimmte Sinnesvorlieben und Themenstellungen lassen es gelegentlich sinnvoll erscheinen, ein Präsenz-Coaching durch digitale Methoden zu ergänzen.

Coaching-Professionalität nachweisen

1. September 2016

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Insgesamt 15380 Coachs aus 137 Ländern, darunter 261 aus Deutschland, haben in der Coaching-Studie 2016 der International Coach Federation (ICF) im Jahr 2015 Stellung zu zentralen Fragen ihrer Profession Stellung bezogen. Die Studie zeigt: Deutsche Coachs legen Wert auf anerkannte Zertifizierungen. Sie sind jedoch eher zurückhaltend, wenn es um eine Regulierung der Coach-Profession geht.

Da Coaching in Deutschland keine geschützte Berufsbezeichnung ist, streben Coachs als Professionalitätsnachweis in der Regel die Anerkennung durch einen Berufsverband an. Damit entsprechen sie der Erwartungshaltung von über 70 Prozent ihrer Klienten und erzielen zudem höhere Honorare, als es unzertifizierten Kollegen gelingt.

Die Frage, ob die Coach-Profession eine intensivere Regulierung erfahren solle, wird allerdings sowohl in Deutschland als auch weltweit kontrovers diskutiert. Einer Regulierung durch staatliche Stellen stehen die meisten Coachs skeptisch gegenüber. Es überwiegt der Wunsch nach einer selbstregulativen Lösungen auf der Verbandsebene.

Eine Besonderheit des deutschen Coaching-Markts: Die Feldkompetenz, also die Berufserfahrung des Coachs vor Aufnahme seiner Coach-Tätigkeit, wird in Deutschland besonders wertgeschätzt. Über 37 Prozent der deutschen Coachs verfügen über zehn Jahre Erfahrung in unterschiedlichen Berufsfeldern, während im internationalen Durchschnitt nur 29 Prozent der Coachs über diesen Erfahrungsschatz verfügen.

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