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Ratschläge im Coaching?

10. Juli 2020

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„Ratschläge“, so heißt es im Coaching, „sind auch Schläge.“ Gilt doch Coaching als die Methode, die Menschen bei der selbstverantwortlichen Gestaltung ihres Lebens lediglich begleiten will. Die Frage, ob Coachs wirklich keine Ratschläge erteilen dürfen, wird in Coach-Zirkeln immer wieder diskutiert. Dahinter steht oft die gute Absicht, den eigenen menschlichen Erfahrungsschatz mit den Klienten zu teilen. Doch kann das gelingen?

Coaching will mit Hilfe einer die Eigenwahrnehmung und Reflexion aktivierenden Sprache sowie mit Selbsterkundungs-Methoden zur Verbesserung der Selbstregulation und der Zielklarheit beitragen. In diesem Prozes entscheidet der Klient jederzeit selbst über die Richtungs seines Weges. Denn er ist der Experte für sein eigenes Leben und seine Persönlichkeit. Der Coach dient lediglich als Vehikel, dessen sich der Klient für seine Zwecke bedient.

Beratung dagegen ist eine Form der Zusammenarbeit, bei der ein Berater bewusst Ratschläge erteilt, die auf Know-how fußen. Der Berater ist der erklärte Experte für ein bestimmtes Fachgebiet. Mit der Annahme dieses Wissens und mit der Offenheit für die Verhaltens-Ratschläge des Beraters erspart sich der Klient den Aufwand, den es bedeuten würde, selbst Experte zu werden. Ratschläge, die auf sachlichen Informationen beruhen, können ihm Umwege und Kosten ersparen.

Offensichtlich gibt es zwei verschiedene Arten, Menschen zu unterstützen: die Anregung zur Selbstorganisation und das Bereitstellen von sachdienlichen Informationen. Auch Ratschläge lassen sich in zwei Kategorien unterscheiden: Es gibt Ratschläge zur Lebensgestaltung und Beratungen oder Tipps zu einem bestimmten Fachgebiet.

Spitzen wir nun die Frage, ob und in welcher Situation Coachs Ratschläge erteilen sollten, ein wenig zu. Stellen Sie sich vor, eine Klientin beschreibt Ihnen, wie unglücklich sie sich in ihrer Beziehung fühlt und mit welchen Schwierigkeiten sie zu kämpfen hat. Wie verhalten Sie sich nun? Helfen sie ihr herauszufinden, ob und wie ein weiterer Weg mit dem Partner sich noch lohnt? Oder halten Sie einen Ratschlag parat, der diese Frage praktischerweise in wenigen Worten klärt?

Wenn Sie tatsächlich die Selbstorganisation der Klientin anregen wollen, liegt das Vorgehen auf der Hand. Denn wie sollten Sie, ob als Coach oder Laie, über eine Lebensfrage anderer entscheiden können? Ein solches Vorgehen sprengt nicht nur den Coachrahmen. Es kratzt auch an den Regeln des Respekts in einer freien Gesellschaft. Denn auf welcher sachlichen Grundlage lassen sich Lebensfragen anderer wirklich beurteilen? Die Verantwortung für Entscheidungen anderer (gesunder Menschen) kann der Coach seriös nicht übernehmen.

Doch natürlich gibt es Abstufungen zur schlichten Regel. Auch ein Coach kann im Klientengespräch seine Meinung sagen, sollte sie jedoch als Meinung und als eine Perspektive unter anderen markieren. Dann behalten Klienten die Wahlfreiheit und vertauschen persönliche Ratschläge nicht mit Expertenurteilen.

Offen sind Ihre Klienten bestimmt auch für ein paar Ratschläge zu konkreten Umsetzungsschritten. Aber schenken Sie Ihren Klienten jederzeit das Wissen um ihre stärkste persönliche Ressource. Das ist die Fähigkeit, in jeder Lebenssituation gute Entscheidungen für sich selbst treffen zu können. Und wenn Sie Ihren gute Ratschlag nicht loswerden, dann bedenken Sie, dass die meisten Menschen auch die besten Lebens-Ratschläge ohnehin fürgewöhlich nicht befolgen.

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