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Online oder Präsenz: Wo liegt der Unterschied?

1. Dezember 2020

Wie gut sind Online-Trainings? Was genau unterscheidet sie von Präsenz-Trainings? Und welche Besonderheiten prägen die vituelle Trainingswelt? Diese Fragen beschäftigen in diesem Jahr eigentlich alle, die an Trainings teilnehmen oder Trainings geben. Hier ein subjektiver Erfahrungsbericht:

Der größte Unterschied liegt gleich auf der Hand: Ein Online-Training reduziert Reisezeiten und Reisekosten auf Null. In wenigen Sekunden befinden sich die Teilnehmer eines Trainings in einer gemeinsamen Welt. Dieser Sprung gelingt erstaunlich gut, wenn mehrere der Teilnehmenden sich bereits aus der realen Welt kennen.

Kommen die Teilnehmenden jedoch neu auf einer Online-Plattform zusammen, hängt es von der gruppendynamischen Aktivierung des Trainierenden ab, ob sie eine Zuhörergruppe bleiben oder zum Trainingsteam werden. Die Anzahl der schwarzen Fenster spiegelt dann den Umstand, dass so mancher Teilnehmende nicht wirklich in einem gemeinsamen Raum angekommen ist.

Der Aktivierungsgrad der Teilnehmenden hängt allerdings noch von weiteren Faktoren ab. Ein zentraler Faktor ist die gewählte Plattform: Je mehr Partizipation und Bewegungsfreiheit sie erlaubt, umso leichter die Zusammenarbeit. Denn durch die Notwendigkeit zur Vergabe und Beschränkung technischer Optionen wird der Trainer schnell wieder von einem Lernpartner auf Augenhöhe zu einem Frontal-Trainer der alten Schule. Gehört wird dann in der Regel derjenige, der sich am eindeutigsten bemerkbar macht.

Ein weiterer Faktor ist die Zahl der Teilnehmenden. Technisch ist diese Zahl nicht beschränkt. Bei einem interaktiven Trainining, das diesen Namen auch verdient, sollte die Zahl der Teilnehmenden aber nicht höher als im Präsenztraining sein. Etwa zwölf Personen kann der Gastgeber im Blick haben, um individuell auf sie zu reagieren. Verfügt die Veranstaltungsplattform über Breakout Rooms, können es unter bestimmten Voraussetzungen auch mehr Teilnehmende sein. Denn in den Breakout Rooms wir der anonyme Charakter einer Großveranstaltung wieder neutralisiert.

Ein von Teilnehmenden oft hervorgehobener Vorzug von Online-Trainings: Weil äußere Ablenkungen starkt beschränkt werden können, steht das Thema des Trainings stark im Mittelpunkt. Der Wissenszuwachs ist daher groß. Wenn es dem Trainer gelingt, das online vermittelte Wissen dann auch noch mit genügend Erfahrung und Praxis zu verknüpfen, kann das virtuelle Training eine wirkliche Alternative zur Präsenzveranstaltung sein.

Mit welchen Nachteilen müssen Trainer und Trainierende online rechnen? Ein zentraler Faktor ist die Bewegungsarmut. Bewegte Pausen können das zu einem gewissen Grad kompensieren. Aber es bleibt der Umstand, dass Menschen beim Training Stunde um Stunde auf einen fixen Punkt schauen und schnell ermüden. Umso wichtiger ist ein Trainingskonzept mit vielen Abwechslungen und schnellen Inputs. Wie im Präsenztraining, bewährt sich hier natürlich auch die Ansprache möglichst vieler Sinneskanäle.

Ein weiterer Faktor ist der Mangel an informellem Austausch z.B. beim gemeinsamen Pausenplausch oder Mittagessen. Das beeinträchtigt den Kontaktaufbau, aber auch den Informationsfluss im Lernteam. Zu guter Letzt sei auch der Faktor Ablenkung beim Online-Training erwähnt. Denn wer an seinem Sitzplatz nicht die passenden Bedingungen für das Training schafft, kann durch eingehende E-Mails oder häusliche Störfaktoren vom Teilnehmer zum nur beiläufig Zuhörenden werden. Dann bleiben Wissenszuwachs und menschliche Begegnungen im Online-Raum auf der Strecke.

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