Archive for the 'Coachee & Coaching-Nutzen' Category

Selbststeuerung oder Autopilot?

20. November 2017

Beim Autofahren zeichnet sich der Trend zum Autopiloten ab. Doch wie sieht es in der Neurobiologie aus? Eine zentrale Frage auch für Coachs, denn systemisches Coaching fußt auf dem Selbstführungskonzept. Der Arzt und Neurobiologe Joachim Bauer hat in seinem Buch zur Selbststeuerung die Wiederentdeckung des freien Willens in den Blick genommen. Er wendet sich gegen die gefährliche Verneinung der Willenskraft, wie sie in der Gehirnforschung um die Jahrtausendwende üblich war, und zeigt, dass auch das Unbewusste kein Gegner unserer freien Enscheidungen ist.

Noch 2003 formulierte der Neurobiologe Gerhard Roth: Nicht das Ich, sondern das Gehirn entscheidet. Und sein Kollege Wolf Singer sprach 2004 von deterministischen neuronalen Prozessen, die den freien Willen relativieren. Bauer dagegen betont die auf Kooperation angelegte Zweigliedrigkeit unsereres Gehirns: Das Basissystem erlaubt triebhaftes, spontanes und überwiegend automatisches Verhalten. Der Präfontale Cortex wiederum ist der Ort des freien Willens. Bei guter Steuerung durch das Selbst arbeiten beide Systeme wirkungsvoll zusammen

Selbststeuerung ist jedoch kein Selbstläufer, wie Bauer hervorhebt. Sie bedarf der Erziehung und stetigen Kultivierung. Die Förderung der Selbststeuerung in der Pädagogik und der alltäglichen Lebensführung, zum Beispiel durch Achtsamkeitstraining, bezeichnet Bauer als zentrale Aufgaben der Gegenwart. Denn wo es war, soll Ich werden. Auch Störungen des freien Willens, beispielsweise durch Priming, lassen sich aufdecken und durch Vernunft in ihren Auswirkungen klären.

Dieser Klärungsprozess des freien Willens ist nicht nur ein individueller, sondern immer auch ein sozialer Verständigungsprozess. Wir brauchen Dialoge mit anderen, um unser Selbst zu erkennen und unseren Willen zu schärfen. Nicht zuletzt der Coach kann als guter Sparringspartner dienen, mit dessen Hilfe Menschen ihre Selbstführung (wieder-)entdecken und ihre Potenziale entwickeln können.

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Wo Coaching anfängt und wo es aufhört

3. November 2017

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Hört auf zu coachen! lautet der Appell der Persönlichkeitsentwicklerin und Coach-Ausbilderin Svenja Hofert. Ihr aktuelles Buch will vermitteln, wie man Menschen wirklich weiterbringt. In sechs Thesen fordert sie eine Abwendung von einem Coaching-Verständnis, das sich auf Handwerk und Tools fokussiert und dabei den Menschen aus dem Auge verliert.

Gutes Coaching, so Hofert, brauche keine Regeln und enge Definitionen, sondern in ihrer Persönlichkeit entwickelte Coachs, die sich auf die unterschiedlichen Entwicklungsebenen ihrer Klienten individuell einstellen können. Auf der Basis des Modells der Ich-Entwicklung nach Loevinger stellt sie ein flexibles Coaching-Modell vor und formuliert nützliche Grundregeln des Flexi-Coachings.

So weit, so gut. Doch wer vertritt das von Hofert kritisierte Coaching-Verständnis? Wer promotet Tools als Selbstzweck? Wer hält die Persönlichkeitsentwicklung von Coachs für entbehrlich? Und wer engt Coaching durch definitorische Abgrenzungen zum Nachteil des Coachings ein? Liest man Hoferts  persönliche Beispiele und Erfahrungen, gehören alle etablierten Coaching-Richtungen in Deutschland dazu.

Eigentlich ist es Hoferts erklärtes Programm, den Falsch-Richtig-Modus zu überwinden, um schließlich in den von ihr geforderten flexiblen Modus zu kommen. Doch die Gesetze des Marketings, das gerne mit Polarisierungen arbeitet, scheinen stärker zu sein. Ironischerweise löst Hofert auf diesem Weg ihre Forderung: Hört auf zu coachen! perfekt ein. Wenn Coaching durch die Definition als professionelles Helfen begrifflich entgrenzt wird, ist eigentlich jede professionelle Hilfe Coaching – oder auch nicht.

Wie bekannt ist Coaching?

25. Oktober 2017

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Die 2017 ICF Global Consumer Awareness Study, beauftragt von der International Coach Federation (ICF) und durchgeführt von PwCResearch, hat die Bekanntheit des Beratungsformats Coaching in den 30 Staaten mit den höchsten ICF-Mitgliederzahlen untersucht. Das erfreuliche Ergebnis: Das Wissen um die Methode Coaching nimmt weiter zu.

Immerhin 66 Prozent der Studienteilnehmer sind sich des professionellen Business- und oder Life-Coachings „einigermaßen“ oder „sehr“ bewusst. Insbesondere in der Generation der Millenials bzw. der Generation Y erfreut sich Coaching großer und zudem wachsender Bekanntheit. Fast die Hälfe aller in der Studie Befragten, nämlich 31 Prozent, hat auch bereits ein professionelles Coaching als Klient in Anspruch genommen.

Über 88 Prozent derjenigen, die über Coaching-Erfahrung verfügen, waren zudem mit der Erfahrung zufrieden. Der Grad der Zufriedenheit mit einem Coach steht, so ein Ergebnis der Studie, auch in Zusammenhang mit der Anerkennung des Coachs durch einen professionellen Coaching-Verband. Vor allem für die jüngeren Studienteilnehmer sei eine offizielle Zertifizierung des Coachs „wichtig“ oder „sehr wichtig“.

Entwickeln sich Introvertierte anders?

4. Oktober 2017

Mit Leise Menschen – gutes Leben. Das Entwicklungsbuch für introvertierte Persönlichkeiten hat die Speakterin, Coachin und Trainerin Sylvia Löhken ihr viertes Buch zur Introversion veröffentlicht. Es zeigt Wege auf, mit deren Hilfe Introvertierte ihre Stärken erkennen und typische Hürden überwinden lernen können. Doch was bedeutet „typisch“, wenn fünfzig Prozent aller Menschen in die Kategorie introvertiert fallen? Löhken gelingt es sehr anschaulich, „leisen“ Menschen Mut zuzusprechen und sie zu neuem Handeln zu motivieren. Aber sind alle Leisen wirklich introvertiert?  

Der große Zuspruch, den die Introvertierten-Literatur erfährt, verweist jedenfalls auf ein tiefes Bedürfnis vieler Menschen, sich ihre Zurückhaltung und ihr Leisetreten zu erklären. Der Verweis auf neurobiologische Unterschiede zwischen Intros und Extros gleich zu Beginn von Löhkens Entwicklungsbuch liefert ein Modell, das Klarheit schafft. Aber hilft es leisen Menschen auch bei Veränderungsschritten, ihr stilleres Auftreten als biologische Gegebenheit zu akzeptieren? Die positiven Resonanzen auf Löhkens Bücher legen das nah.

Aus der Perspektive eines systemisch-lösungsorientierten Coachs könnte es allerdings entwicklungsfördernder sein, die grobe Schablone Introversion zu differenzieren und zu individualisieren. So zählt beispielsweise nur ein Teil der Introvertierten tatsächlich zu den analytischen Denkern, die gerne sachlich-rational an Themen herangehen. Dem gegenüber stehen viele Introvertierte, die eher gefühlsorientiert-emotional auf ihre Umwelt reagieren. Auch wenn beiden der leise Auftritt gemeinsam ist, so unterscheiden sie sich doch beträchtlich in ihren Potenzialen und Problemen.

So mancher Leise ist auch gar kein Intro im Sinne von Löhkens Definition. Stattdessen halten ihn in seinem Umfeld erworbene Glaubenssätze und Werte zurück, seine eher extrovertierte Natur zu leben. Hier zeigt sich, dass Introvertiertheit nicht nur ein Naturell, sondern auch eine selbstbestimmt veränderbare Verhaltens- und Deutungsoption sein kann. 

Sylvia Löhkens Tipps und Entwicklungshinweise können für jeden nützlich sein. Ein gelungenes, erfülltes, authenisches Leben hängt nicht von Intro- oder Extrovertiertheit ab. Aber vielleicht trägt ja die Stärkung introvertierter Qualitäten zur Erschütterung des in der Kultur verankerten Glaubenssatzes bei, dass Erfolg eine eher extrovertierte Qualität sei.

Digitalisierung fördert Coaching-Bedarf

27. September 2017

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Für die Kienbaum Studie Future Management Development 2017 hat das Beratungsunternehmen mit insgesamt 196 Entscheidern eine Befragung durchgeführt, die ermittelt, wie Unternehmen ihre Führungskräfteentwicklung zukünftig gestalten wollen. Welche Herausforderungen stellen sich Führungskräften und welche Formate setzen Unternehmen ein, um sie fit zu machen für das Zeitalter der Digitalisierung?

Das Fazit der Studie: Der Lern- und Veränderungsbedarf von Führungskräften nimmt in der digitalen Arbeitsweltenorm zu. Lebenslanges Lernen wird vom Ideal zur gelebten Realität werden. Denn der flexible Umgang mit Führungskonzepten ist im globalisierten, interkulturellen Arbeitsumfeld ebenso erforderlich wie die Bereitschaft zum permanenten Change. Führungskräfte müssen die Bedingungen für Agilität und Selbstorganisation schaffen und zugleich kulturgerecht agieren.

Das Zeitalter der Digitalisierung wird zudem zunehmend von Widersprüchen und schnellen Wandeln gekennzeichnet sein, die nur durch eine intensive Persönlichkeitsentwicklung und die bewusste Selbstreflexion der Führungskräfte aufgefangen werden können. Das Einzelcoaching-Format sowie weitere Präsenz-Formate zur Persönlichkeitsentwicklung werden daher, so die Prognose, noch weiter an Bedeutung gewinnen.

Unterhalb der Top-level-Führungsetagen treten dagegen zukünftig laut Studie an die Stelle von analogen verstärkt sogenannte digiloge Trainings-Formate. Dazu gehört zum Beispiel auch das Online-Coaching. Ein weiterer Trend aus der Anbieterwarte: Die Nachfrage nach internationalen sowie fremdsprachigen Anbietern wird zulasten deutsche Weiterbildner steigen.

New Work hat Kommunikation im Fokus

10. Juli 2017

Wir befinden uns im Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft: Globalisierung, Digitalisierung, Arbeitswelt 4.0 und VUCA sind Schlüsselbegriffe auf diesem Weg. An die Stelle der hierarchisch-arbeitsteilig organisierten Herstellung industrieller Produkte tritt die auf kreativer Vernetzung beruhende Wissensproduktion. New Work beschreibt neue Organisationsformen und Werte und lenkt dabei den Blick auf Kommunikation.

Das New Work-Konzept, entwickelt vom Sozialphilosophen Frithjof Bergmann, zeigt zum einen auf, wie die durch Digitalisierung ermöglichte zeitliche, räumliche und organisatorische Flexibilität klassische Arbeitsmodelle wie den Nine-to-Five-Büro-Job verändert. Zum anderen fordert es dazu auf, die mit klassischen Arbeitsmodellen bislang verbundenen Wertewelten zu aktualisieren.

Selbstführung gefragt
Im Mittelpunkt von New Work stehen neben der neuen räumlichen und zeitlichen Autonomie vor allem Selbstständigkeit, Freiheit und Teilhabe an der Gemeinschaft. Selbstbestimmung, Mitsprache und ein kooperatives Miteinander sind in der neuen Arbeitswelt kein Luxus, sondern die Vorbedingung für die vom neuen New Worker erwartete Kooperationsbereitschaft sowie schöpferische Kreativität und Originalität.

Doch wenn sich starre Zeit-, Raum- und Organisationsfaktoren auflösen, ist in einem ungleich höheren Maße als früher die Kommuniktionsfähigkeit jedes Einzelnen gefragt. Komplex-dynamische und zum großen Teil virtuell organisierte Netzwerke funktionieren nur, wenn der Austausch gelingt. Führen im digitalen Zeitalter heißt daher vor allem, Kommunikation zu ermöglichen.

Kommunikaton als Schlüssel zur Führung
Der coachende, entwicklungsorientierte Führungsstil und moderierende Methoden der Teamführung werden daher immer wichtiger. Denn Digitalisierung und Technische Intelligenz brauchen einen Ausgleich durch Persönlichkeit, Menschlichkeit, Vertrauen, die Fähigkeit zur Beziehungsgestaltung und zum Erschaffen kreativer Team-Atmosphären.

So bringt New Work nicht zuletzt eine Wiederbelebung von Fähigkeiten, die zutiefst menschlich sind. An die Stelle der durch hierarchische Schemata geregelten Kommunikation im Zeitalter der Industrieproduktion tritt das globale Netzwerken, das nur durch sehr persönliche, menschliche Kommunikation gelingen kann.

 

Erfolgreich verändern lernen

2. November 2016

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Veränderung ist ein alltäglicher Begriff: Immer und überall verändert sich etwas in unserem Leben und zu jeder Zeit verändern wir uns mit. Doch was bedeutet der Begriff eigentlich genau? Welche Facetten kennzeichnen Veränderung? Was können wir angesichts des stetigen Wandels tun, um souverän mit dem Phänomen Veränderung umzugehen?

Veränderung ist selbstverständlich vielgestaltig. Zwei Aspekte des Begriffs lassen sich allerdings unterscheiden. Zum einen ist Veränderung ein Prozess der Abwandlung: Bekanntes nimmt neue Gestalt an, wird modifiziert und in Teilen aktualisiert. Beispielsweise spricht die Biologie von Prozessen der Evolution und Mutation. Politik und Rechtswissenschaft novellieren Gesetze und gestalten sie zeitgerecht um. Menschen sowie Organisationen passen sich in ihrem Verhalten und Denken an neue innere Bedürfnisse, aber auch an veränderte äußere Gegebenheiten an.

Zum anderen bezeichnet Veränderung einen Prozess der grundlegenden Neugestaltung. Etwas qualitativ Neues tritt an die Stelle des Alten. In der Geschichte spricht man von Revolutionen, wenn sich innerhalb einer kurzen Zeitspanne neue Gesellschaftsformen und Sichtweisen etablieren. Auch im Leben eines Menschen oder einer Organisation kann es gewissermaßen zu revolutionären Umwandlungen kommen. Wir sagen dann, jemand habe sich neu erfunden.

Erfolgreiche Veränderungen gehen immer mit Lernprozessen einher, ob die Veränderung nun auf einer Anpassung an veränderte äußere Umstände oder auf einer gezielt angestrebten Selbstveränderung beruht. Denn wer Lernen angesichts stetiger biologischer, sozialer, polistischer oder anderer Wandlungsprozesse verweigert, wird mittel- bis langfristig in Widersprüche geraten. Diese Widersprüche zeigen sich im Inneren als Symptome, im Äußeren als Konflikte.

Veränderungen werden daher oft als spannungsgeladen erlebt. Das an Zukunftsvisionen ausgerichtete Coaching mit NLP kann allerdings helfen, schnell Klarheit über neue Wege zu erlangen und Lernprozesse sowohl zu erleichtern als auch zu beschleunigen. Systemisches Coaching mit NLP unterstützt insbesondere Veränderungen, die nicht nur in veränderten Anpassungsstrategien, sondern tiefergreifenden qualitativen Lernprozessen bestehen.

Coaching-Professionalität nachweisen

1. September 2016

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Insgesamt 15380 Coachs aus 137 Ländern, darunter 261 aus Deutschland, haben in der Coaching-Studie 2016 der International Coach Federation (ICF) im Jahr 2015 Stellung zu zentralen Fragen ihrer Profession Stellung bezogen. Die Studie zeigt: Deutsche Coachs legen Wert auf anerkannte Zertifizierungen. Sie sind jedoch eher zurückhaltend, wenn es um eine Regulierung der Coach-Profession geht.

Da Coaching in Deutschland keine geschützte Berufsbezeichnung ist, streben Coachs als Professionalitätsnachweis in der Regel die Anerkennung durch einen Berufsverband an. Damit entsprechen sie der Erwartungshaltung von über 70 Prozent ihrer Klienten und erzielen zudem höhere Honorare, als es unzertifizierten Kollegen gelingt.

Die Frage, ob die Coach-Profession eine intensivere Regulierung erfahren solle, wird allerdings sowohl in Deutschland als auch weltweit kontrovers diskutiert. Einer Regulierung durch staatliche Stellen stehen die meisten Coachs skeptisch gegenüber. Es überwiegt der Wunsch nach einer selbstregulativen Lösungen auf der Verbandsebene.

Eine Besonderheit des deutschen Coaching-Markts: Die Feldkompetenz, also die Berufserfahrung des Coachs vor Aufnahme seiner Coach-Tätigkeit, wird in Deutschland besonders wertgeschätzt. Über 37 Prozent der deutschen Coachs verfügen über zehn Jahre Erfahrung in unterschiedlichen Berufsfeldern, während im internationalen Durchschnitt nur 29 Prozent der Coachs über diesen Erfahrungsschatz verfügen.

Selbstentwicklung oder Selbstoptimierungswahn?

29. Juni 2016

 

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Schon mehr als drei Jahrzehnte beschäftigt uns die Idee der Selbstoptimierung. Nicht zuletzt NLP selbst hat dem Selbstoptimierungsdrang Vorschub geleistet. Der Coaching-Boom hat das Streben nach dem Optimum noch verstärkt. Doch natürlich hat sich auch bereits eine Gegenbewegung formiert. Titel wie Du sollst nicht funktionieren von Ariadne von Schirach zeigen, dass das Selbstentwicklungskonzept immer wieder einseitig perfektionistisch und fehlerorientiert verstanden wird. Also doch So scheiße bleiben, wie man wirklich ist, wie Rebecca Niazi-Shahabi in ihrem Buchtitel fordert?

Natürlich nicht. Aber es gilt, die Maßstäbe und Werte zu klären, an denen sich menschliche Entwicklung ausrichten kann. Sebstoptimierung orientiert sich am Perfektionismus. Dieser nährt sich von der Idee, ein fiktives Optimum zu einhundert Prozent leben zu können. Bei genauerer Betrachtung ist das eine lebens- und entwicklungsfeindliche Idee, da sich bei lebenden, sich permanent in Anpassung an die Umwelt verändernden Systemen, wie Menschen sie sind, kein statischer Optimalzustand definieren lässt.

Was in einem bestimmten Moment optimal funktioniert, kann zu einer anderen Zeit durchaus dysfunktional sein. Eigentlich bedeutet Selbstentwicklung ja, genau dieses Phänomen zu akzeptieren und zu verstehen. Wenn aber Perfektionismus in die Irre führt, welche Ideen, Werte und Konzepte können dann Orientierung für die eigene Entwicklung bieten? Und was können Methoden und Techniken des Selbstmanagements überhaupt realistischerweise dazu beitragen?

Aus systemischer Warte ist Persönlichkeitsentwicklung immer ein höchst individueller Prozess, der zuallererst Orientierung am inneren Gleichgewicht und Wohlbefinden braucht. Richtet sich Selbstoptimierung an vorgegebenen Schablonen aus, ist also fremdbestimmt, bedeutet Selbstentwicklung im Gegensatz dazu, eigene Maßstäbe zu erforschen, kennenzulernen und zu leben. Selbstentwicklung ist immer auch Selbstentdeckung, ein Kennenlernen und Erkunden der eigenen Maßstäbe.

Methoden und Techniken wie das systemische Coaching mit NLP können letztendlich nur Anregungen zur Selbstentwicklung bieten und selbstregulative Prozesse stimulieren. Orientiert sich diese Entwicklung an lebenswerten persönlichen Visionen und Zielen, kommen Menschen sich bei diesem Prozess näher, anstatt sich durch perfektionistische Selbstkritik von sich zu entfernen.

Coaching wirkt

1. Juni 2016

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Dass Coaching wirkt, ist bislang weder von Coachs noch von Unternehmen, welche die Dienstleistung Coaching einkaufen,  angezweifelt worden. Inzwischen weisen aber auch wissenschaftliche Erkenntnisse die Wirksamkeit von Coaching im organisationalen Kontext nach. Mehr noch: Insbesondere durch die Metanalysen bereits vorliegender Forschungsergebnisse lässt sich nun detaillierter zeigen, welche Effekte mit Coaching erzielt werden können.

Wo wirkt Coaching?

Alle in den Metaanalysen ausgewerteten Untersuchungen weisen die Wirksamkeit von Coaching nach. Es gibt allerdings eine Bandbreite an Effekten, so dass nun auch behauptet werden darf, dass nicht jede Coaching-Intervention gleich wirksam ist. Die größte Effektstärke ist beim Thema Zielerreichung zu erkennen, gefolgt von der Steigerung der Leistungskraft bzw. Performance. Auch die Arbeitseinstellung und das persönliche Wohlbefinden sowie die Fähigkeit zum Entwickeln von Strategien zur (Problem-)Bewältigung in Teams wachsen mit Coaching an.

Was entscheidet über den Coaching-Erfolg?

Interessanterweise, so die Ergebnisse der Metaanalysen, hängt die Wirksamkeit eines Coachings nicht unbedingt von seiner Dauer oder der Anzahl der Sitzungen ab. Auch im Vergleich der Methode des Face-to-Face-Coaching mit dem Blended-Coaching ließen sich keine relevanten Unterschiede erkennen. Lediglich beim Vergleich von externem mit internem Coaching ließen sich leichte Vorteile für das interne Coaching erkennen.  Auch als Feedback-Instrument im Unternehmen bewährt sich Coaching, sofern nicht viele unterschiedliche Aspekte, sondern einige Fokusthemen klar im Mittelpunkt stehen.

Wie wichtig ist die Beziehungsqualität?

Entscheidenden Einfluss auf den Erfolg eines Coachings hat selbstverständlich die Qualität der Beziehung zwischen Coach und Klient. Die Stichworte Empathie, Wertschätzung und emotionale Unterstützung, aber auch Dominanz, kennzeichnen erfolgreiche Coach-Interaktionen. Zu einem guten Coaching gehören außerdem Vertrauen sowie die Bereitschaft zur Zusammenarbeit bzw. ein klares Committment von Coach und Klient.

Welche Instrumente bewähren sich besonders?

Auf der Ebene der Strategien und Techniken bewähren sich die Instrumente Zielklärung und -konkretisierung, Ressourcenaktivierung, individuelle Analyse und Anpassung,  ergebnisorientierte Selbstreflexion, ergebnisorientierte Problemreflexion, eine regelmäßige Evaluation des Verlaufs, die Umsetzungsunterstützung sowie die Methodenvielfalt. Fragenstellen,  Zuhören und Feedback sind wiederum, wie es einer der Wirkungsforscher nennt, „Umsetzungsvehikel“, die nicht nur Ziele klären und Probleme sowie Ressourcen reflektieren helfen, sondern Empathie, Wertschätzung und emotionale Unterstützung zum Ausdruck bringen.

Noch eine weitere Wirkebene gilt es in den Blick zu nehmen. Die organisationale Unterstützung, z. B. durch die Vorgesetzten des Klienten oder durch den Einsatz finanzieller Ressourcen erhöhen die Chancen auf ein erfolgreiches Coaching.
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