Archive for the 'Vor-Gelesen' Category

Gescheit scheitern?

1. September 2017

Gescheit scheitern. Geht das? Der Coach Felix Maria Arnet verspricht, dass er uns den klugen Umgang mit Misserfolgen in dreißig Minuten beibringen kann. Sein Ideal: Zum einen die Entwicklung unserer Kultur von der Fehlertoleranz zu einem bewussteren, wertschätzenderen Umgang mit Fehlern. Zum anderen unser Schritt vom schambesetzten zum selbstbewussten Scheitern als Basis für ein tiefgreifendes Wachstum der eigenen Persönlichkeit.

Arnets wesentlicher Gedanke: Scheitern liefert wertvolle Informationen, die als Ausgangspunkt für neue Erfolge genutzt werden können. So bekennt beispielsweise der Bergsteiger Reinhold Messner, dass er aus seinem Scheitern immer weitaus mehr lernen konnte als aus seinem Erfolg. Doch um diese Informationen zu bergen, müssen wir gescheiter mit der emotional hoch aufgeladenen Situation des Scheiterns umgehen. Vor allem gilt es, sie vom kulturellen Ballast des Schamgefühls zu befreien.

Ein erster Ansatz dazu ist die Erkenntnis, dass Scheitern zur Normalität des Lernens gehört. Vom ersten Schritt an scheitern wir in unserem Leben und lernen daraus. Wer Babys bei ihren Krabbel- und später Laufexperimenten beobachtet, begreift schnell, weshalb der entspannte Umgang mit Fehlversuchen integraler Bestandteil jeder Lernerfahrung ist. Eine rationalistische Denkweise aber, die Erfolg für exakt planbar und Misserfolg als mit Schuld besetztes Versagen betrachtet, verhindert genau diese Fehlerkultur.

Als Weg zum gescheiten Scheitern empfiehlt uns Arnet die Fail-forward-Strategie: Neues bewusst ausprobieren, gelegentlich scheitern, aus dem Scheitern lernen und weiter auf Lernkurs bleiben, anstelle sich verschämt zurückzuziehen. Jede fände es schade, wenn ein Baby nach den ersten gescheiterten Laufversuchen aufgeben würde. Warum nicht genauso entspannt mit dem eigenen Scheitern beim Tanzkurs, auf der Rednerbühne oder im Büro umgehen?

Manchmal leichter gesagt als getan. Aber Arnet liefert auch in nur dreißig Minuten Lesezeit genügend Argumente, um den Geist Schritt für Schritt umzustimmen. Also wählen Sie gleich Ihr Test-Thema für die Fail-forward-Strategie.

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Bewegung im Unternehmen

1. August 2017

Nur was sich bewegt, kann sich verbessern“, so der Psychologe und Business Trainer Valentin Nowotny im Untertitel zu seinem Buch Agile Unternehmen: Moderne Organisationen müssen heute fokussiert, schnell und flexibel sein. Doch was genau bedeutet Agilität? Und mit welchen Methoden kommt Bewegung ins Unternehmen?

Agilität definiert Nowotny nicht als Technik, sondern als eine innere Haltung. Fünf zentrale Merkmale sind charakteristisch für das agile Mindset: Agile Mitarbeiter arbeiten und entscheiden in sich selbst organisierenden Teams und folgen dabei keinen disziplinarischen Vorgaben. Sie visualisieren ihre Workflows und setzten sich gegenseitig täglich über ihre Fortschritte in Kenntnis. Ihr Vorgehen ist iterativ. Das heißt, Produkte entstehen schrittweise  in zahlreichen Praxistests und Feedbackschleifen-Prozessen.

Die agile Wertewelt lebt von dem Gedanken, dass Menschen motivierter, kreativer und produktiver arbeiten können, wenn sie aus der linearen Welt der Organigramme und Hierarchien aussteigen und sich selbst organisieren. Kommunikation, Feedbackkultur, Offenheit und Respekt sorgen für intensives Commitment und maximalen Arbeitsflow. Fehler werden in agilen Organisationen als willkommene Informationen betrachtet, für die es in Folge-Arbeitsschritten Lösungen zu finden gilt.

Nowotny beschreibt zahlreiche Methoden aus der agilen Welt wie Scrum, Kanban und Design Thinking. Der Schlüssel zu Agilität aber ist der Wille, den Menschen als Ganzheit in den Mittelpunkt zu stellen. Agiles Führen beruht daher auf entwickelten Kommunikationsfähigkeiten und verfährt vor allem coachend und moderierend. Mit einem Einstein-Zitat bringt Nowotny diese Haltung auf den Punkt:

„Körper und Seele sind nicht zwei verschiedene Dinge, sondern nur zwei verschiedene Arten, dasselbe Ding wahrzunehmen. Entsprechend sind Physik und Psychologie nur zwei verschiedenartige Versuche, unsere Erlebnisse auf dem Weg systematischen Denkens miteinander zu verknüpfen.“

 

 

Lineare Bahnen verlassen

1. Juni 2017

Systemisch-vernetztes Denken und Handeln gehört zum klassischen Repertoire eines Coachs. Doch auch in kreativen Professionen wie Design ist das Denken in Netzwerken und das Agieren außerhalb der bekannten linearen Bahnen angekommen. In seinem Buch Network Thinking bietet Ulrich Weinberg, Leiter der Potsdamer School of Design Thinking, eine Vielzahl anschaulicher Beispiele, wie isoliertes Expertenwissen intelligent mit dem kreativem Input von Außenseitern vernetzt werden kann. 

Die Methode Design Thinking regt dazu an, abgegrenzte Fachgebiete wieder miteinander zu verknüpfen und das klassische Kästchendenken, von Weinberg Brockhausdenken genannt, durch Netzwerkdenken zu ersetzen. Netzwerkdenker erkennen und entwickeln ungewöhliche Verknüpfungen und schaffen damit die Basis für außergewöhnlich kreative Lösungen. Experten Know-how dagegen tendiert dazu, alte Denkschablonen zu aktivieren und Fachgrenzen nicht zu überschreiten.

Lineare Bahnen verlässt Network Thinking auch im Umgang mit Hierarchien. Durchlaufen Aufgabenstellungen die hierarchischen Filter einer Organisation, geht an vielerlei Stellen Kreativität verloren. In Organisationen mit flachen Hierarchien und partizipativen Strukturen können Wissen und Ideen aus den unterschiedlichsten Perspektiven und Jobkonstellationen zusammenfließen.

Eine weitere Einsicht des Network Thinking: Gute Lösungen entstehen selten aus einem Guss. Besser bewähren sich Produkte und Ideen, die durch iterative Prozesse entwickelt worden sind. Interation beschreibt das Herantasten an Lösungen durch wiederholten Versuch, Irrtum und entsprechende Korrekturen. NLP-Anwender nennen einen solchen Vorgang Feedbackschleifen-Lernen. Iterative Lösungen sind organisch und fügen sich leicht in ihr Systemumfeld ein.

Network Thinking regt dazu an, die Sicherheit linearer Bahnen zu verlassen und mutig bislang isoliert voneinander betrachtete Lebens- und Wissensbereiche zu verbinden. Ob dieser Ansatz allerdings allen Experten gefallen wird, ist eine andere Frage.

 

 

 

Impact erzeugen

28. Februar 2017

Frühling

Jeder kennt das: Man kann eine Botschaft in noch so viele Worte verpacken und sie sorgfältig erklären – oft kommt sie nicht an oder wird schnell wieder beiseite geschoben. Anders reagieren Zuhörer, wenn Impact-Techniken verwendet werden, wie die kanadische Psychologin Danie Beaulieu sie in ihrem Buch zu dieser Methode beschrieben hat.

Impact-Methoden heißen so, weil sie einen bleibenden Eindruck hinterlassen und hohe Nachhaltigkeit erzeugen. Möglich ist das durch den Einsatz prägnanter Bilder, Metaphern und Symbole sowie Handlungen. Im NLP und in der Hypnose wird der Begriff Anker für Methoden mit diesem starkem Erinnerungswert genutzt. Impact-Techniken setzen Anker über den Verlauf eines Gesprächs oder einer Lernsituation hinaus.

Danie Beaulieu bringt die sieben mnemotechnischen, sprich: die Erinnerung fördernden Prinzipien, auf den Punkt, die bei Impact-Methoden zur Anwendung kommen. Das erste Prinzip ist das multisensorische Lernen, das Lernen mit allen Sinnen (im NLP VAKOG genannt). Abstrakte Worte werden beim multisensorischen Lernen mit Bildern, Handlungen und Gefühlen oder sogar Gerüchen verknüpft.

Multisensorische Methoden lösen auch das zweite mnemotechnische Prinzip ein: Sie machen abstrakte Konzepte bildhaft konkret. Nimmt man beispielsweise das Foto einer Person und tritt buchstäblich und tatsächlich mit den Füßen auf dieses Foto ein, gewinnt der Ausdruck auf jemandem herumtrampeln an emotionaler Intensität. Damit ist auch das vierte Prinzip bereits eingelöst: Das Erzeugen möglichst starker Emotionen.

In Verbindung damit steht auch das fünfte Prinzip, das auf dem Wecken von Interesse beruht. Zum Wecken von Interesse wiederum greift der Nutzer der Impact-Methode auf  das bislang noch nicht genannte dritte Prinzip zurück: Am besten wirken Metaphern, Bilder und Handlungen, wenn sie an die Lebenswelt des Klienten andocken und bereits bekannte Informationen nutzen, um Aufmerksamkeit zu mobilisieren.

Bleiben zum Schluss noch die letzten drei Prinzipien zu erwähnen: Spaß, Einfachheit und entspanntes Wiederholen. Doch trotz zahlreicher Beispiele im Buch und einem großen Fundus an Ideen bleibt dem Leser natürlich nicht erspart, nach der Lektüre seine eigene Kreativität zum Erzeugen starker Impacts zu mobilisieren.

Sinnstiftend zusammenarbeiten

2. Januar 2017

gruppe

„Die aufregendsten Durchbrüche im 21. Jahrhundert werden nicht durch die Technologie entstehen, sondern durch ein sich erweiterndes Verständnis unseres Menschseins,“ so der Zukunftsforscher John Naisbitt. Die zentrale Frage des Wirtschaftsberaters Frederic Laloux lautet daher: Kann es ganzheitliche, selbstorganisierend verfasste und sinnerfüllend operierende Unternehmen geben? Ist das erfolgreiche Wirtschaften nach dem integralen Paradigma möglich? 

In seinem Buch Reinventing Organizations untersucht Laloux zwölf Organisationen verschiedener Länder, die sich zum Teil bereits seit vielen Jahren den Prinzipien integraler Organisationen verpflichtet fühlen. Seine Schlussfolgerung: Der Durchbruch zu einem neuen Paradigma des Wirtschaftens ist Einzelnen bereits gelungen. Eine an einem kollektiven sowie individuellen Sinn orientierte Unternehmung kann wirtschaftlich genauso erfolgreich sein wie konventionelle, am Paradigma der Gewinnmaximierung ausgerichtete Unternehmen.

Wirtschaftlicher Erfolg und ein sinnerfülltes Arbeiten in Gemeinschaft schließen sich also nicht aus. Sie bedingen sich sogar. Denn integrale Organisationen verfügen über hoch motivierte und selbstführungsstarke Mitarbeiter, die sich dem Unternehmensziel verpflichtet fühlen. Die offene Kommunikationskultur integraler Organisationen ermöglicht hohe Kreativität und erlaubt ein schnelles sowie flexibles Lösen von Problemen.

Wie eine integrale Organisation entwickelt werden kann? Der erste Schritt liegt immer bei der Führung, die ihre Rolle neu definiert. Ganzheitlich agierende Führungskräfte steigen aus dem Hierarchiedenken aus. Sie führen entwicklungsorientiert und schaffen für Teams einen Rahmen, in dem diese selbstorganisatorisch handeln können.

 

 

Kommunikation von Bäumen lernen

1. April 2016

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Kommunikation von Bäumen lernen? Eine merkwürdige Idee. Sind doch Bäume sprachlose und zugleich stationäre, zum räumlichen Perspektivwechsel unfähige Wesen. Wie soll unter diesen Voraussetzungen Austausch gelingen? Peter Wohlleben, Förster und Natürschützer, hat genauer hingeschaut. In seinem Buch Das geheime Leben der Bäume beschreibt er, was Bäume fühlen und wie sie kommunizieren.

Mit seiner Sicht auf Bäume verändert Wohlleben nicht nur unsere Vorstellung von Wäldern. Er vertieft auch unser Verständnis für die Interdependenz aller Lebewesen und die Komplexität nichtsprachlicher Kommunikation in der Natur. Bäume kommunizieren geruchlich, optisch, elektrisch auch auch akustisch. Sie sind im gleichen Maße wie wir soziale Lebewesen, unfähig, isoliert zu leben.

So brauchen sich Bäume gegenseitig. Ein Buchenwald beispielsweise ist produktiver, wenn die Bäume dicht stehen. Förster irren daher, wenn sie jedem einzelnen mehr Raum verschaffen. Auch Jungbäume profitieren von großer Nähe und dem Schatten eines Senior- oder Mutterbaums. Erhalten sie in den ersten Lebensjahren zu viel Licht, wachsen sie zwar schnell. Ihnen fehlt jedoch die nötige Reife, um mit den verschiedensten Umweltbedingungen gut umgehen zu können.

Aber auch die gute Baum-Zusammenarbeit reicht nicht aus, um optimale Lebensbedingungen zu schaffen. Genauso wichtig ist das kooperative Miteinander mit anderen Waldbewohnern. Bäume brauchen Freunde, um überlebenswichtige Informationen weiterzutragen und die Baumwelt miteinander zu vernetzten. Diese Funktion übernehmen vor allem Pilze, die in der Lage sind, ganze Wälder zu vernetzen und Nachrichten über Insekten, Dürren und weitere Gefahren zu übermitteln.

Wohlleben liefert überraschende und faszinierende Einblicke in eine Kommunikationswelt, die sich doch eigentlich nicht so sehr von der menschlichen Welt unterscheidet. Im Unterschied zu Bäumen versuchen wir allerdings immer wieder, aus der sozialen Kommunikation auszusteigen und kurzfristig wirksame, aber langfristig ökologisch kontraproduktive Lösungsansätze zu entwerfen.

Auf die schlaue Art leistungsfähig sein

2. November 2015

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„Sport macht schlau“, verspricht der Sportwissenschaftler und Hirnforscher Frieder Beck. In seinem gleichnamigen Buch bringt er Laien auf verständliche Art und Weise nahe, wie sie die Ergebnisse der Hirnforschung für geistige und sportliche Höchstleistungen nutzen können.

Der Zusammenhang zwischen Bewegtheit und geistiger Beweglichkeit war schon Goethe bekannt: „Was Du Dir abläufst auf dem Schuh“ so seine These, „das fließt Dir geistig doppelt zu.“ Doch wie lässt sich dieser Zusammenhang erklären? Sport, so Becks Feststellung, steigert die Fähigkeit zur Selbstregulation im Sinne der gezielten und  bewussten Steuerung von Aufmerksamkeit, Verhalten und Emotionen.

Zahlreiche Testreihen zeigen, dass sich körperliche Fitness sowohl kurz- als auch langfristig auf die kognitive Leistungsfähigkeit auswirken. Denn Bewegung lässt Neuronen und Synapsen „sprießen“ und erzeugt ein immer komplexeres Netzwerk, auf das wir bei Denkprozesse zurückgreifen können. Sport ist daher auch eine praktische Anti-Ageing-Methode für das Gehirn.

Damit die beschriebenen Effekte auftreten, braucht unser Gehirn das „Glückshormon“ Dopamin. Wie aber setzen wir unsere Dopaminproduktion möglichst wirkungsvoll in Gang? Beck empfiehlt ein Training, bei dem folgende Aspekte aus neurobiologischer Warte besonders wichtig sind:

  • das Training sollte sich im aeroben Bereich bewegen
  • Spaß machen
  • möglichst abwechslungsreich sein und
  • überraschende Erfolgserlebnisse vermitteln.

Auf dieser Grundlage gelingt es auch ehemaligen Bewegungsmuffeln, dranzubleiben. Denn mit dem richtigen Training produziert das Gehirn genau den Hormoncocktail, der hohe Motivation hervorbringt.

Gedanken als Medizin verstehen

5. Oktober 2015

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Warum Gedanken oft stärker sind als Medizin, dieser Idee geht die amerikanische Ärztin Lissa Rankin in ihrem Buch Mind Over Medicine nach. Rankin schildert in zahlreichen Beispielen, untermauert durch umfassendes wissenschaftliches Belegmaterial, dass der Geist den Körper heilen kann. Ihr Motto: „Glauben Sie sich gesund“.

Krankheit, so Rankin, hat viele Quellen. Nicht allein Organschwächen, sondern vor allem die eigene Lebensweise und der persönliche Umgang mit Stress fördern die Entwicklung körperlicher Einschränkungen. Die Ärztin, die ihre eigene Krankheit mit einem ausgeglicheren Lebensstil in den Griff bekam, empfiehlt daher, den eigenen Geist durch neue Denkweisen zu heilen. Auf diesem Weg zur Gesundheit schlägt sie sechs Schritte zur Entwicklung einer individuellen Heilungs-Rezeptur vor.

Als „todsicheren Weg, sich krank zu machen und krank zu bleiben“ bezeichnet sie dagegen die Auffassung, dass Krankheiten vor allem  Folgen genetischer Vorbelastungen und konkreter Umweltbedingungen seien. So sterben beispielsweise in San Francisco Menschen chinesischer Abstammung vor allem deshalb früher als vergleichbare Kontrollgruppen, weil sie an ihr Horoskop glauben. Denn das chinesische Horoskop sieht für einige Geburtsjahre ungünstige Gesundheits-Prognosen voraus.

Aber auch der unkritische Glaube an Ärzte, so Rankin, kann unter bestimmten Umständen gesundheitsgefährend sein. So wie Placebos positiv wirken, so kann die negative Haltung des Arztes als Nocebo Schaden herbeiführen. Ärzten empfiehlt Rankin daher 15 Möglichkeiten, wie sie durch positive Kommunikation die Heilungschancen Patienten verbessern können. Der wichtigste Punkt: „Verbreiten Sie Hoffnung. Die Prognose mag noch so düster aussehen, eine Spontanheilung ist immer möglich.“

 

 

Mit dem Körper kommunizieren

3. August 2015

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Kommunikation beginnt im Körper, nicht im Kopf. So der Untertitel zu Maja Storchs und Wolfgang Tschachers Buch zur Embodied Communication. Neurobiologische und psychologische Forschungen zeigen, dass Denken ohne Ankoppelung an Körperfeedback nicht vorstellbar ist. Kommunikation ist nicht die Übermittlung einer Information, sondern an Körperrückmeldungen gekoppelte Interaktion.

Zwar ist die von Storch und Tschacher vorgestellte Sicht der Kommunikation als reflexives, zirkuläres Geschehen nicht neu. Sie wurde vor allem von Paul Watzlawick bereits seit den siebziger Jahren vertreten. Aber mit der Embodiment-Forschung lässt sich nun konkret belegen, dass die Prozesse zwischen Körper und Geist immer zweigleisig ablaufen und das Emotionen bei allen Entscheidungen eine zentrale Rolle spielen.

Was bedeutet nun Embodiment für die Praxis der Kommunikation? Es wird Zeit, sich von allen Methoden zu lösen, die vom Körper und von Gefühlen abstrahieren. Der Körper spricht immer mit und transportiert seine Botschaft unverstellt, auch wenn diese im Widerspruch zu den gewählten Worten steht. Mit dem Fokus auf Körperkalibrierung hat das NLP bereits sehr früh den Erfolgsfaktor für eine verbesserte Kommunikation erkannt.

Eigenständig denken und gemeinsam Handeln

1. Juni 2015

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Etwas mehr Hirn, bitte, lautet die Aufforderung des Neurobiologen Gerhald Hüther, der mit seinem neuesten Buch zur Wiederentdeckung der Freude am Denken und der Lust am gemeinsamen Gestalten einlädt. Seine These: „Jedes Lebewesen kann das in ihm angelegte Potenzial nur in einem koevolutionären Prozess mit allen anderen Lebensformen zunehmend besser zur Entfaltung bringen.“

Hüther beschreibt das Gehirn des Menschen als lernfähiges bzw. neuroplastisches System, das sich selbst organisiert. In Auseinandersetzung mit der Umwelt können Menschen sich fortentwickeln und transformieren. Zudem ist der Mensch als einziges Lebewesen der Erde in der Lage, über sich selbst nachzudenken und zu sich selbst und der Welt neue Perspektiven einzunehmen.

Die Suche nach Erkenntnis, so Hüther, geht allerdings in die Irre, wenn Menschen Lebewesen mit den gleichen Maßstäben wie Maschinen messen und damit das Prinzip der Selbstorganisation aus den Augen verlieren.

Als kritische Entwicklungsmotoren betrachtet Hüther auch Prinzipien wie Wettbewerb, Druck oder übermäßige Spezialisierung. Denn „kein lebendes System existiert für sich allein„. Menschliche Potenzialentfaltung ist auf die Einbettung in soziale Systeme angewiesen. Menschsein braucht Autonomie und zugleich soziale Verbundenheit.

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