Archive for the 'Vor-Gelesen' Category

Den Nerv der Kommunikation treffen

4. April 2019

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Stress kennt jeder, und alle sind inzwischen mit der Stress-Theorie vertraut: Stress entsteht, wenn das Wechselspiel zwischen aktivierendem Sympathikus und beruhigendem Vagusnerv – beide Teile des vegetativen Nervensystems – in Ungleichgewicht gerät. In seinem Buch Der Selbstheilungsnerv zeigt der Körpertherapeut Stanley Rosenberg, wie dabei nicht nur der Körper leidet, sondern auch unsere Kommunikationsfähigkeit eingeschränkt wird.

Grund genug, als Coach tiefer in die Materie einzudringen. Rosenbergs Ansatz beruht auf der bereits vor der Jahrtausendwende vom Psychiater Stephen Porges entwickelten Polyvagaltheorie. Sie differenziert zwischen hinterem und vorderem Vagus. Der hintere Vagus kann bei Stress eine Art Starre verursachen, die höhere Hirnfunktionen einschränkt. Stress ist also nicht nur, wie traditionell dargestellt, eine sympathische Überaktivierung, sondern auch ein parasympathisches Phänomen.

Der vordere Vagus dagegen sorgt für Entspannung, Kontakt und angepasste Kommunikation. Ist er aktiv, können wir aus den Mustern Kampf, Flucht oder „Todstellreflex“ bzw. „Dichtmachen“ aussteigen. Über ein belastbares Nervensystem zu verfügen bedeutet, aus aktivierten Zuständen des Sympathicus und des hinteren Vagus schnell wieder in einen Zustand der guten Kommunikation mit der Umwelt und der wachen Verarbeitung von Informationen zurückzukehren.

Insgesamt fünf Gehirnnerven, die auch wichtige körperliche Funktionen übernehmen, zählen zum System der sozialen Zuwendung: der V., VII., IX., X. und XI. Hirnnerv bzw. namentlich der Trigeminus- und Faszialisnerv, der Zungen-Rachen-Nerv, der Vagus sowie der Nervus accesssorius, der den Trapezmuskel, den Kopfwender und den Kopfnicker innerviert. Rosenberg zeigt in seinem Buch, wie mit einfachen Körperübungen zur Stimulation dieser Nerven das eigene Kommunikationssystem gut aufgestellt werden kann.

Und was bedeutet das Wissen um unsere sozialen Hirnnerven für den Coach? Mit Hilfe der Nerven der sozialen Zuwendung können wir die körpersprachliche Seite der Kommunikation besser verstehen. Die Nerven für Gesicht, Hals und Schulter haben nicht nur motorische Funktionen. Sie bestimmen mit, wie wir auf andere wirken und wie gut wir in Kontakt treten können. NLP hat diese Dynamik mit den Begriffen Kalibrieren, Rapport und Pacen sowie Leaden erfasst.

Mit Hilfe der Polyvagaltheorie sind wir aber auch in der Lage, depressive Stimmungen, Rückzug, Tatenlosigkeit und geistige Starre als Zeichen von Stress und Traumatisierung besser zu verstehen. Eine entspannende, sichere Umgebung, eine zugewandte Haltung des Coachs und vielleicht eine Körperübung wirken dann manchmal Wunder, um die Fähigkeit zum Austausch wieder in Gang zu bringen. Der Selbstheilungsnerv ist eine weitere Brücke zwischen Körper und Geist, die der Coach zielführend einsetzen kann.

Von allen Ängsten befreit?

28. Februar 2019

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„Ein Großteil aller Traumata, Neurosen, Phobien und Angststörungen kann in weniger als zehn Sitzungen vollständig aufgelöst werden“, so Klaus Bernhardt, Bestsellerautor und selbsternannter Angstexperte. In seinem Buch Panikattacken und andere Angststörungen loswerden verspricht er vollmundig „eine völlig neue Art der Angsttherapie …, die die Verarbeitungsprozesse unseres Gehirns gezielt nutzt.“

Diese neue Therapieform, die laut Klappentext ihren Ursprung in der modernen Hirnforschung finde, habe „… rein gar nichts mehr  mit dem zu tun, was hierzulande als Standard bezeichnet wird“. Der Blick in das Innere des Buches erstaunt dann aber sehr. Bernhardt verwendet Methoden, die seit den siebziger Jahres des letzten Jahrhunderts zu den NLP-Standards gehören, wie wohlgeformte Ziele, VAKOG und Submodalitätenarbeit. Der Hinweis auf NLP bleibt allerdings konsequent aus.

Die genannten NLP-Herangehensweisen sind in der Tat sehr einfach und wirkungsvoll, wie Tausende NLP-Anwender bezeugen können. Darüber hinaus haben sie sich vor dem Hintergrund der Erkenntnisse der modernen Neurobiologie in der Tat als sehr gehirngerecht erweisen. Die von Bernhardt versprochene Revolutionierung der therapeutischen Vorgehensweisen löst er jedoch mit keiner der vorgestellten Methoden ein.

Offenbar suchen viele Menschen mit Ängsten nach einem Rettungsanker, den sie entweder bei den etablierten Methoden nicht suchen oder vielleicht dort auch nicht finden. Da reichen dann offenbar ein paar hippe Buzzwords wie Hirnforschung, Embodiment und neuronale Plastizität sowie einige entliehene Vorgehensweisen unter neuem Namen, um eine Bewegung loszutreten.

Es gibt zahlreiche Belege dafür, dass die neueste Medizin jeweils am besten wirkt. Bernhardt bedient dieses Bedürfnis offenbar perfekt. Warum nicht an dieser Stelle von ihm lernen und bewährte Konzepte so ansprechend und anregend präsentieren, dass ihr Nutzen von Betroffenen leicht erkannt werden kann?

Emotionen konstruieren

9. Januar 2019

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Spätestens seit Paul Ekmans Gefühle lesen (2003/2004) galten in der Psychologie Emotionen und ihr mimischer Ausdruck als universal. In seinem Buch hatte Ekman das Facial Action Coding System (FACS) vorgestellt, ein kulturunabhängiges Lexikon für Mimik, das sieben Basisemotionen, unter anderem Trauer und Freude, identifiziert. Doch mit Lisa Feldman Barretts bislang noch nicht auf Deutsch verfügbarem Werk How Emotions Are Made (2017) ist die Grundlage dieses Modell ins Wanken geraten.

Denn Feldman Barrett zeigt, dass die These von einer biologischen Grundausstattung an Emotionen nicht haltbar ist. Stattdessen hält sie Emotionen für mentale Konstrukte, die in der Auseinandersetzung des Menschen mit seinen eigenen inneren Wahrnehmungen und Körpergefühlen sowie mit seiner Umwelt und Kultur entstanden sind. „Emotions are not reactions to the world. You are not a passive receiver of sensory input but an active constructor of your emotions.“

Da im Alltag Emotionen, wie beispielsweise Ärger, mit großer Macht auf uns einzuwirken scheinen, leben wir mit der Idee, nur wenig Einfluss auf sie nehmen zu können. Wenn Emotionen aber nicht biologisch fixiert, sondern mental konstruiert sind, unterscheiden sie sich nicht von Kognitionen. Kognitionen bündeln kulturelles und individuelles Erfahrungswissen in Konzepten und Begriffen. Durch Akte des bewussten Wahrnehmens und Denkens sind sie jederzeit wandelbar.

Wenn wir Emotionen nicht als biologische, sondern als soziale Realität betrachten, können wir auch besser verstehen, wie Coaching wirkt. Coaching bietet einen Raum, in dem Menschen ihre emotionalen Konstrukte, wie beispielsweise Wut, Frustration oder Angst, überprüfen und auf der Grundlage ihrer Wahrnehmungen aktualisieren können. Wer seine emotionalen Konzepte verändert, verändert auch seine Realität.

Mit dem Tastsinn fängt alles an

11. Dezember 2018

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Schon seit über einem Jahrzehnt hat die Embodiment-Forschung, spezialisiert auf die Wechselwirkungen von Körper und Geist, die zentrale Bedeutung des Fühlsinns und der Emotionen für unser Denken untersucht. In den letzten Jahres ist nun auch die Rolle der Haptik in den Blick der Forschung gerückt. Mit Homo Hapticus zeigt der Psychologe Martin Grunwald, dass es sich beim Tastsinn um eine Art biologische Ursprache handelt, ohne die wir nicht leben können.

Grunwald, Leiter des Leipziger Haptik-Forschungslabors für Hirnforschung und Pionier in der Haptikforschung, hat sich zum Ziel gesetzt, der seiner Auffassung nach mit der Überbewertung des Sehsinns einhergehenden „Nichtbeachtung“ des Tastsinns in Psychologie und Medizin entgegenzuwirken. Auch für den Coach ist das Wissen um die Rolle des Tastsinns von einiger Tragweite, hängt doch das „gefühlte Selbstbild“ des Menschen, sein Körperschema, von ausreichendem Körperkontakt und der Nähe zu anderen Menschen ab. Denn, so die Haptikforschung, „gut gedeiht, wer Nähe spürt.“

Der Tastsinn ist auch elementar zum Verständnis von Sprache. Der „Begriff“, formuliert Grunwald, kommt von „Begreifen“. Über den Tastsinn entwickeln Menschen nicht nur das motorische und sensorische System. Der Tastsinn schafft auch die Grundlagen für Aufmerksamkeits- und Gedächtnisprozesse. Wer als Kind wenig Berührung genießt und überdies eindimensional visuell-auditiven Reizen ausgesetzt ist, kann nicht sein volles Lern- und Sprachvermögen entwickeln und die Welt physisch wie körperlich begreifen.

Digitalen Lern- und Anwendungsangeboten ermangelt es leider an genau den haptischen Qualitäten, auf die insbesondere junge Gehirne angewiesen sind. Nicht von ungefährt ist daher ausgerechnet im IT-Projektmanagement die Entwicklung eines Gegentrends zur Digitalisierung zu beobachten. Anstelle elektronischer Medien nutzt man dort wieder zunehmend handgeschriebene Kladden sowie physische Whiteboards und Papier-PostIts, um kreative Prozesse anzustoßen und sich zu organisieren.

Für den sinnes- und körperspracheorientierten NLP-Coach ist Grunwalds Buch eine spannende Grundlagenlektüre zum Verständnis der haptischen Seite der Kinästhetik. Vielleicht liefert es auch die ein oder andere Anregung zur Umgestaltung der Coaching-Atmosphäre: Weiche Stühle beispielsweise, so Grunwald, machen Menschen tendenziell empathischer und entspannter, während Menschen auf harten Stühlen eher zu starren Positionen neigen.

Neurowissen in die Praxis transferieren

13. April 2018

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Wie funktionieren Lernen und Verändern? Was müssen Coachs und Trainer über das Gehirn wissen, um nachhaltige Wirkungen in Lern- und Veränderungsprozessen zu erzielen? Welche Erklärungsmetaphern, Methoden und Herangehensweisen bewähren sich aus neurobiologischer Sicht? In ihrem Buch Neurodidaktik für Trainer geben die Coachs sowie Trainer Franz Hütter und Sandra Mareike Lang praktisch umsetzbar Hinweise für alle, die ihr Know-how gezielter weitergeben wollen.

Eine zentrale Erkenntnis: Die starre Trennung zwischen Training als Wissensvermittlung und Coaching sowie Supervision als Erlebnisraum zur Selbsterfahrung und Selbstentwicklung ist aus neurobiologischer Perspektive wenig sinnvoll. Denn Lernen funktioniert dann am besten, wenn Menschen Wissen, Erleben und Emotionen unmittelbar und am besten bewegt verknüpfen können. Training als Einüben von Verhaltensweisen, die dann im Alltag automatisch abgerufen werden können, hat ohnehin ausgedient.

Viel wichtiger, so auch der Neurobiologie Gerald Hüther, ist die Förderung unserer Fähigkeit, aus Konditionierungen auszusteigen und unsere Selbststeuerung zu stärken. Das aber setzt die Arbeit mit Werten voraus. Während unser Bewusstsein unseren subcorticalen Programmierungen aus der Vergangenheit ausgeliefert ist, fördert das Reflektieren von Wertekritierien mit Hilfe des Präfontalcortex die Orientierung an einer selbstgestalteten Zukunft. NLP-Anwender erkennen hier das Prinzip der logischen Ebenen wieder.

Hütter und Lang machen es sich auch zur Aufgabe, den sogenannten Neuro-Bullshit zu enttarnen. Neuro-Bullshit Nr. 1: Unser Gehirn nutzt nur 10 Prozent seines Potenzials. Auch viele Metaphern zum Gehirn führen in die Irre. So ist der Hirnstamm nicht wirklich das Reptiliengehirn des Menschen. Eine weitere wichtige Leistung der Autoren: Sie untersuchen alle standardmäßig in Trainings verwendeten Modelle auf ihre neurowissenschaftliche Tragfähigkeit. Die Hypnose beispielsweise erweist sich als ausgesprochen nützlicher Zugang, um Menschen zur Veränderung anzuregen und Kreativität zu stimulieren.

Zuguterletzt geben Hütter und Lang eine Ausblick auf die Trainingstrends, die die Zukunft bestimmen werden. Das Lernen höherer Ordnung, das sich am Reifegrad einer Persönlichkeit orientiert, wird wohl zukünftig prägend sein: Achtsamkeitsansätze und spielerische Methoden verbinden sich dabei mit dem digital vernetzten, selbstverantwortlich gesteuerten Lernen.

 

Wo Coaching anfängt und wo es aufhört

3. November 2017

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Hört auf zu coachen! lautet der Appell der Persönlichkeitsentwicklerin und Coach-Ausbilderin Svenja Hofert. Ihr aktuelles Buch will vermitteln, wie man Menschen wirklich weiterbringt. In sechs Thesen fordert sie eine Abwendung von einem Coaching-Verständnis, das sich auf Handwerk und Tools fokussiert und dabei den Menschen aus dem Auge verliert.

Gutes Coaching, so Hofert, brauche keine Regeln und enge Definitionen, sondern in ihrer Persönlichkeit entwickelte Coachs, die sich auf die unterschiedlichen Entwicklungsebenen ihrer Klienten individuell einstellen können. Auf der Basis des Modells der Ich-Entwicklung nach Loevinger stellt sie ein flexibles Coaching-Modell vor und formuliert nützliche Grundregeln des Flexi-Coachings.

So weit, so gut. Doch wer vertritt das von Hofert kritisierte Coaching-Verständnis? Wer promotet Tools als Selbstzweck? Wer hält die Persönlichkeitsentwicklung von Coachs für entbehrlich? Und wer engt Coaching durch definitorische Abgrenzungen zum Nachteil des Coachings ein? Liest man Hoferts  persönliche Beispiele und Erfahrungen, gehören alle etablierten Coaching-Richtungen in Deutschland dazu.

Eigentlich ist es Hoferts erklärtes Programm, den Falsch-Richtig-Modus zu überwinden, um schließlich in den von ihr geforderten flexiblen Modus zu kommen. Doch die Gesetze des Marketings, das gerne mit Polarisierungen arbeitet, scheinen stärker zu sein. Ironischerweise löst Hofert auf diesem Weg ihre Forderung: Hört auf zu coachen! perfekt ein. Wenn Coaching durch die Definition als professionelles Helfen begrifflich entgrenzt wird, ist eigentlich jede professionelle Hilfe Coaching – oder auch nicht.

Gescheit scheitern?

1. September 2017

Gescheit scheitern. Geht das? Der Coach Felix Maria Arnet verspricht, dass er uns den klugen Umgang mit Misserfolgen in dreißig Minuten beibringen kann. Sein Ideal: Zum einen die Entwicklung unserer Kultur von der Fehlertoleranz zu einem bewussteren, wertschätzenderen Umgang mit Fehlern. Zum anderen unser Schritt vom schambesetzten zum selbstbewussten Scheitern als Basis für ein tiefgreifendes Wachstum der eigenen Persönlichkeit.

Arnets wesentlicher Gedanke: Scheitern liefert wertvolle Informationen, die als Ausgangspunkt für neue Erfolge genutzt werden können. So bekennt beispielsweise der Bergsteiger Reinhold Messner, dass er aus seinem Scheitern immer weitaus mehr lernen konnte als aus seinem Erfolg. Doch um diese Informationen zu bergen, müssen wir gescheiter mit der emotional hoch aufgeladenen Situation des Scheiterns umgehen. Vor allem gilt es, sie vom kulturellen Ballast des Schamgefühls zu befreien.

Ein erster Ansatz dazu ist die Erkenntnis, dass Scheitern zur Normalität des Lernens gehört. Vom ersten Schritt an scheitern wir in unserem Leben und lernen daraus. Wer Babys bei ihren Krabbel- und später Laufexperimenten beobachtet, begreift schnell, weshalb der entspannte Umgang mit Fehlversuchen integraler Bestandteil jeder Lernerfahrung ist. Eine rationalistische Denkweise aber, die Erfolg für exakt planbar und Misserfolg als mit Schuld besetztes Versagen betrachtet, verhindert genau diese Fehlerkultur.

Als Weg zum gescheiten Scheitern empfiehlt uns Arnet die Fail-forward-Strategie: Neues bewusst ausprobieren, gelegentlich scheitern, aus dem Scheitern lernen und weiter auf Lernkurs bleiben, anstelle sich verschämt zurückzuziehen. Jede fände es schade, wenn ein Baby nach den ersten gescheiterten Laufversuchen aufgeben würde. Warum nicht genauso entspannt mit dem eigenen Scheitern beim Tanzkurs, auf der Rednerbühne oder im Büro umgehen?

Manchmal leichter gesagt als getan. Aber Arnet liefert auch in nur dreißig Minuten Lesezeit genügend Argumente, um den Geist Schritt für Schritt umzustimmen. Also wählen Sie gleich Ihr Test-Thema für die Fail-forward-Strategie.

Bewegung im Unternehmen

1. August 2017

Nur was sich bewegt, kann sich verbessern“, so der Psychologe und Business Trainer Valentin Nowotny im Untertitel zu seinem Buch Agile Unternehmen: Moderne Organisationen müssen heute fokussiert, schnell und flexibel sein. Doch was genau bedeutet Agilität? Und mit welchen Methoden kommt Bewegung ins Unternehmen?

Agilität definiert Nowotny nicht als Technik, sondern als eine innere Haltung. Fünf zentrale Merkmale sind charakteristisch für das agile Mindset: Agile Mitarbeiter arbeiten und entscheiden in sich selbst organisierenden Teams und folgen dabei keinen disziplinarischen Vorgaben. Sie visualisieren ihre Workflows und setzten sich gegenseitig täglich über ihre Fortschritte in Kenntnis. Ihr Vorgehen ist iterativ. Das heißt, Produkte entstehen schrittweise in zahlreichen Praxistests und Feedbackschleifen-Prozessen.

Die agile Wertewelt lebt von dem Gedanken, dass Menschen motivierter, kreativer und produktiver arbeiten können, wenn sie aus der linearen Welt der Organigramme und Hierarchien aussteigen und sich selbst organisieren. Kommunikation, Feedbackkultur, Offenheit und Respekt sorgen für intensives Commitment und maximalen Arbeitsflow. Fehler werden in agilen Organisationen als willkommene Informationen betrachtet, für die es in Folge-Arbeitsschritten Lösungen zu finden gilt.

Nowotny beschreibt zahlreiche Methoden aus der agilen Welt wie Scrum, Kanban und Design Thinking. Der Schlüssel zu Agilität aber ist der Wille, den Menschen als Ganzheit in den Mittelpunkt zu stellen. Agiles Führen beruht daher auf entwickelten Kommunikationsfähigkeiten und verfährt vor allem coachend und moderierend. Mit einem Einstein-Zitat bringt Nowotny diese Haltung auf den Punkt:

„Körper und Seele sind nicht zwei verschiedene Dinge, sondern nur zwei verschiedene Arten, dasselbe Ding wahrzunehmen. Entsprechend sind Physik und Psychologie nur zwei verschiedenartige Versuche, unsere Erlebnisse auf dem Weg systematischen Denkens miteinander zu verknüpfen.“

 

 

Lineare Bahnen verlassen

1. Juni 2017

Systemisch-vernetztes Denken und Handeln gehört zum klassischen Repertoire eines Coachs. Doch auch in kreativen Professionen wie Design ist das Denken in Netzwerken und das Agieren außerhalb der bekannten linearen Bahnen angekommen. In seinem Buch Network Thinking bietet Ulrich Weinberg, Leiter der Potsdamer School of Design Thinking, eine Vielzahl anschaulicher Beispiele, wie isoliertes Expertenwissen intelligent mit dem kreativem Input von Außenseitern vernetzt werden kann. 

Die Methode Design Thinking regt dazu an, abgegrenzte Fachgebiete wieder miteinander zu verknüpfen und das klassische Kästchendenken, von Weinberg Brockhausdenken genannt, durch Netzwerkdenken zu ersetzen. Netzwerkdenker erkennen und entwickeln ungewöhliche Verknüpfungen und schaffen damit die Basis für außergewöhnlich kreative Lösungen. Experten Know-how dagegen tendiert dazu, alte Denkschablonen zu aktivieren und Fachgrenzen nicht zu überschreiten.

Lineare Bahnen verlässt Network Thinking auch im Umgang mit Hierarchien. Durchlaufen Aufgabenstellungen die hierarchischen Filter einer Organisation, geht an vielerlei Stellen Kreativität verloren. In Organisationen mit flachen Hierarchien und partizipativen Strukturen können Wissen und Ideen aus den unterschiedlichsten Perspektiven und Jobkonstellationen zusammenfließen.

Eine weitere Einsicht des Network Thinking: Gute Lösungen entstehen selten aus einem Guss. Besser bewähren sich Produkte und Ideen, die durch iterative Prozesse entwickelt worden sind. Interation beschreibt das Herantasten an Lösungen durch wiederholten Versuch, Irrtum und entsprechende Korrekturen. NLP-Anwender nennen einen solchen Vorgang Feedbackschleifen-Lernen. Iterative Lösungen sind organisch und fügen sich leicht in ihr Systemumfeld ein.

Network Thinking regt dazu an, die Sicherheit linearer Bahnen zu verlassen und mutig bislang isoliert voneinander betrachtete Lebens- und Wissensbereiche zu verbinden. Ob dieser Ansatz allerdings allen Experten gefallen wird, ist eine andere Frage.

 

 

 

Impact erzeugen

28. Februar 2017

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Jeder kennt das: Man kann eine Botschaft in noch so viele Worte verpacken und sie sorgfältig erklären – oft kommt sie nicht an oder wird schnell wieder beiseite geschoben. Anders reagieren Zuhörer, wenn Impact-Techniken verwendet werden, wie die kanadische Psychologin Danie Beaulieu sie in ihrem Buch zu dieser Methode beschrieben hat.

Impact-Methoden heißen so, weil sie einen bleibenden Eindruck hinterlassen und hohe Nachhaltigkeit erzeugen. Möglich ist das durch den Einsatz prägnanter Bilder, Metaphern und Symbole sowie Handlungen. Im NLP und in der Hypnose wird der Begriff Anker für Methoden mit diesem starkem Erinnerungswert genutzt. Impact-Techniken setzen Anker über den Verlauf eines Gesprächs oder einer Lernsituation hinaus.

Danie Beaulieu bringt die sieben mnemotechnischen, sprich: die Erinnerung fördernden Prinzipien, auf den Punkt, die bei Impact-Methoden zur Anwendung kommen. Das erste Prinzip ist das multisensorische Lernen, das Lernen mit allen Sinnen (im NLP VAKOG genannt). Abstrakte Worte werden beim multisensorischen Lernen mit Bildern, Handlungen und Gefühlen oder sogar Gerüchen verknüpft.

Multisensorische Methoden lösen auch das zweite mnemotechnische Prinzip ein: Sie machen abstrakte Konzepte bildhaft konkret. Nimmt man beispielsweise das Foto einer Person und tritt buchstäblich und tatsächlich mit den Füßen auf dieses Foto ein, gewinnt der Ausdruck auf jemandem herumtrampeln an emotionaler Intensität. Damit ist auch das vierte Prinzip bereits eingelöst: Das Erzeugen möglichst starker Emotionen.

In Verbindung damit steht auch das fünfte Prinzip, das auf dem Wecken von Interesse beruht. Zum Wecken von Interesse wiederum greift der Nutzer der Impact-Methode auf  das bislang noch nicht genannte dritte Prinzip zurück: Am besten wirken Metaphern, Bilder und Handlungen, wenn sie an die Lebenswelt des Klienten andocken und bereits bekannte Informationen nutzen, um Aufmerksamkeit zu mobilisieren.

Bleiben zum Schluss noch die letzten drei Prinzipien zu erwähnen: Spaß, Einfachheit und entspanntes Wiederholen. Doch trotz zahlreicher Beispiele im Buch und einem großen Fundus an Ideen bleibt dem Leser natürlich nicht erspart, nach der Lektüre seine eigene Kreativität zum Erzeugen starker Impacts zu mobilisieren.

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